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Präventionskurs mit Golfelementen

Der Begriff Prävention stammt vom Lateinischen „praevenire“ ab und bedeutet soviel wie „zuvorkommen oder verhüten“. Dies geschieht im Allgemeinen durch Maßnahmen, die im Sinne einer vorausschauenden Problemvermeidung eingesetzt werden. Der Golfsport bietet hier mit seinem moderaten Beanspruchungsprofil ein breites Feld zur
Umsetzung gesundheitspräventiver Ansätze.

Aufgrund der hohen Inzidenz von Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule, die zu einem großen Anteil durch abgeschwächte Muskulatur und fehlerhafte Verhaltensweisen hervorgerufen werden, liegt die Etablierung eines primärpräventiven Kurses nahe. Ein derartiges Programm richtet sich an gesunde Versicherte, die ihre Stabilitätsdefizite – hier des Rumpfes – stärken sowie Haltungsfehlern durch abgeschwächte und/oder verkürzte Muskelgruppen gezielt entgegenwirken wollen. Die Anforderungen werden durch den Leitfaden der Krankenkassen nach § 20 SGB und 2 SGB V vorgegeben. Bereits von vielen großen Krankenkassen wird diese Intervention als Präventionskurs anerkannt.
Durch modifizierte Übungen aus
dem Golfbereich werden stabilisierende Rumpfstrukturen angesprochen, denn nur regelmäßiges Training der Rumpfmuskulatur durch gezielte Übungen stellt die beste Vorbeugung gegen Rücken­schmerzen dar. In der golfspezifischen Ansprechposition werden beispielsweise Übungen zur Kräftigung
der Bauch- und Oberschenkelmusku­latur durchgeführt. Es werden neben dem Einsatz von Therabändern u.ä. auch Golfschläger, -bälle und anderes als Hilfsmittel eingesetzt. Ein abschließender Golfschlag auf ein nahes Ziel nach Abschluss einer Übungsserie verstärkt ebenfalls die Motivation der ­Teilnehmer, die physiologisch notwendige Schwelle des Trainings zu überschreiten.

Die Ziele der Intervention sind entsprechend der Kernziele des § 20 neben der Verminderung von Risikofaktoren und Stärkung der physischen Gesundheitsressourcen (Kraft, Beweglichkeit), Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens auch eine Hilfe zur Entwicklung der Fähigkeit, selbst Kontrolle über haltungsbedingte Aspekte der Gesundheit auszuüben. Zur Umsetzung ­derartiger Ziele des präventiven Gesundheitstrainings wurden bislang die gesundheitsförderlichen Aspekte des Golfsports nicht ausgenutzt. Ein Kurs erstreckt sich über 10 Trainingseinheiten
à 45 Minuten. Die Teilnehmerzahl wird auf ­maximal 6 Personen eingeschränkt, um ein qualitativ hochwertiges Training gewährleisten zu können. Jede Einheit beginnt mit einer praxis­verknüpften Erläuterung des Themas. Der ­eigentliche Trainingsteil beginnt dann mit
Aufwärm- und Aktivierungsübungen. Es werden Anweisungen zur Belastungsdosierung der Übungen gegeben. Das Beweglichkeitstraining wird nach der Dauerdehnmethode ausgeführt, da sie die geringste eigene Körperwahrnehmung erfordert und am leichtesten umsetzbar ist. Die Kräftigungsübungen werden nach subjektivem Empfinden der Teilnehmer im mittleren bis schweren Belastungsbereich durchgeführt und erfolgen in 15–20 Wiederholungen in zwei Serien. Die Übungen setzen sich aus „klassischem“ ­Rückentraining und Variationen von Golftrainingsformen zusammen. Nach der Vermittlung von rückengerechtem Verhalten im Alltag wie z.?B. „richtiges“ Sitzen, Heben, etc. endet die Stunde mit dem Abwärmen bzw. bewusstem Entspannen. Zusätzlich werden im Kurs gemeinsam ergänzende kreativitätsfördernde Übungen für alle Teilnehmer erarbeitet. Diese sollen ­zusammen mit individuellen Übungen zu Hause noch mindestens zwei Mal pro Woche durch­geführt werden.

Positive Effekte für den Teilnehmer lagen nicht nur in einer Verbesserung der offensichtlichen Elemente Kraft und Beweglichkeit, sondern auch in einer Steigerung der psychischen Stabilität. Mittels einer kontrollierten Studie (n=22) wurde die Wirkungsweise untersucht. Die Interventionsdauer betrug 11 Wochen, wobei die Teil­nehmer ein wöchentliches gemeinsames Training und ein freiwilliges Heimtraining durchgeführt haben. Es wurden Kraft-, Beweglichkeits-, ­Koordinations-, Entspannungsübungen mit integrierten Golfelementen nach präventiven Richt­linien absolviert. Test und Retest erfolgten mittels Muskelfunktionstests und Fragebogen zur Er­fassung des Gesundheitszustands und -wahr­nehmung. Die psychische und körperliche subjektive Gesundheitswahrnehmung steigerte sich während der Intervention geringfügig. Die Kraftfähigkeit des Rumpfes (Bauch) und der Beine (Oberschenkelvorderseite) haben sich deutlich positiv verändert. Die Beweglichkeit ergab keine nennenswerten Unterschiede. Der Bewegungsstatus konnte durch eine Erhöhung der
sportlichen Aktivität und die Reduzierung der Gründe für sportliche Inaktivität (Motivation) um über 60 % verbessert werden. Diese Pilot­studie motiviert zur Entwicklung neuer gesundheitsfördernder Programme in Prävention und Rehabilitation mit Schwerpunkten wie z. B. Gewichtsreduzierung, Stressbewältigung, Entwicklung von Entspannungsstrategien oder auch Kindergesundheitstraining.

Für den Trainer eröffnen sich somit weitere Qualifikations- und Abgrenzungsmöglichkeiten. Ebenso sind gesundheitlich orientierte Institutionen wie Sportvereine, Gesundheitszentren und klinikorientierte Institute angesprochen. Es ­sollen eine Öffnung und Sensibilisierung für präventive Angebote geschaffen werden und Menschen ­erreicht werden, die bisher dem präventiven
Training nicht zugänglich waren. In dem Sinne wird uns der Golfsport noch weitere Über­raschungen bieten.

Dr. Holger Herwegen

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Holger Herwegen:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/4461

Ausgabe MSN 4 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 4 / 2009.
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