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Praktische Anwendung der Golfmedizin - medical Golf

Die vielseitigen Beanspruchungen im Golfsport erfordern ob des hohen mittleren Altersdurchschnitts (aktuell ca. 50 Jahre) und der damit zunehmend verbundenen Ausprägung von gesundheitlichen Risikofaktoren
oder sogar Erkrankungen ein gesundheitsorientiertes Training für und im Golfsport. Nur die konsequente, besser lebenslange sportliche
Betätigung stellen einen ­Garant für eine Verbesserung der körperlichen und
geistigen Leistungsfähigkeit dar. In den vergangenen
Beiträgen wurden die wesentlichen Grundstöcke für die Umsetzung eines solchen Gesundheitstrainings gelegt.

Warm-up und Cool-down:

Der Sinn eines Aufwärmens im Golf­sport ist von professionellen Spielern wie z.?B. Woods, Palmer, Nicklaus oder Player erkannt und akzeptiert worden und ist obligatorischer Bestandteil des alltäglichen Spiel- und Trainingsablaufs. Der Breitensportler jedoch verkennt oder verdrängt diese Problematik völlig. Leistungsbestimmende und insbesondere gesundheitliche Faktoren des Auf­wärmens stehen dabei wegen Unverständnis oder aus Zeitgründen meist hinten an. Die negativen Aspekte des Golfsports sind vielfach auf den Mangel des ausbleibenden bzw. unzureichenden Aufwärmens zurückzuführen. Zur konsequenteren und besseren Vorbereitung auf das Golfspiel kann ein Aufwärmprogramm dienen. Seine Effektivität wurde durch ­Unter­suchungen zu anamnestischen und kinematischen Aspekten bei einer ­kontrollierte Studie mit Rückenschmerzpatienten bestätigt. Die golfspezifisch erwärmten Probanden drehen im Rückschwung die Schultern deutlich weiter und erzielen dadurch eine größere Verwringung zwischen Hüft- und Schulterachse als unaufgewärmt. Die Schlägerkopfgeschwindigkeit im Treffmoment zeigt bei der Versuchsgruppe um ca. 6?% höhere Werte. In ihrer Tendenz nimmt auch die maximale Schlägerkopfgeschwindigkeit der Versuchsgruppe zu. Während sich die Rückenschmerzen bei Golfschwüngen ohne vorheriges Aufwärmen signifikant verstärken, tritt
diese Schmerzzunahme nach golfspezifischem Aufwärmen nicht auf. Dabei stellt sich die Lendenwirbelsäule als die Körperregion heraus, die am häufigsten von einer Zunahme der Schmerzen ­betroffen ist. Aufwärmen optimiert
den Bewegungsablauf und schützt
vor golfschwungverursachten Rückenschmerzen. Wer Zeit für eine 4-stündige 18-Loch-Runde hat, dem sollte seine Gesundheit durch zusätzliche 20 Minuten sinnvolles Aufwärmen wert sein.
Allerdings ist das Golfspiel nicht mit dem 18. Putt beendet. Die vermehrt sympathikotone Situation bei gleich­zeitigem Kohlenhydrat- und Flüssigkeitsdefizit sowie kataboler Stoffwechsellage verlangt eine „Nachbelastung“ in Form von entspannenden und regenerativen Maßnahmen, z.?B. Auslaufen, Dehnen oder detonisierenden Aktivitäten.

Prävention und Rehabilitation:

Eine Annäherung an das Thema Golf in der Prävention und Rehabilitation stellen mittlerweile mehrere Konzepte (www.golf.upb.de, www.golf-gesundheit-training.de, www.golfmedicus.eu) dar, die an der Golfakademie an der Universität Paderborn entwickelt wurden. Hier werden u.?a. der Zusammenhang zwischen dem individuellen körperlichen Status quo für die Rumpfkraft bzw. – beweglichkeit und die Technikparameter des Golfschwungs untersucht. Über eine interdisziplinäre Zusammenarbeit wird auf der Grundlage einer einfachen effizienten sportmedizinischen Diagnostik ein trainingstherapeutischer Plan ­erstellt, aus dem sich verschiedene ­Konzepte für Präventions- und Rehagolf ergeben. Golf kann tatsächlich
als Rehabilitationsmaßnahme angeboten werden. Es handelt sich dabei um ein Training im Rahmen der Therapie. Die Bewegung beim Golfen soll die Genesung beschleunigen. An diesen ungewöhnlichen Programmen nehmen z.?B. Herzpatienten teil sowie Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben oder auch nach orthopädische Operation, ­etwa einem Gelenkersatz. Die Belastung ist gering: Im Klinikgarten üben die Teilnehmer neben klassischen ­sportmotorischen Fähigkeiten auch den Golfschwung. Sogar in einigen Golfclubs haben sich Golfergruppen für Menschen mit Behinderungen gebildet, es werden Schnupperkurse angeboten, auf deutschen Golfanlagen gibt es Elektrobuggys zur besseren Fortbewegung und mit dem „Paragolfer“ steht sogar ein spezieller Rollstuhl für Golfer zur Verfügung. Die deutsche Schlaganfallhilfe unterstützt zusätzlich wissenschaftliche Projekte mit halbseitengelähmten Patienten. Die Motivation ist hier fast der Garant für das Erreichen therapeutischer Ziele. Gerade weil es in dieser Sportart keine zeitlichen Einschränkungen gibt und die Regeln viel Freiraum ermöglichen, ist Golfen durchaus ein behindertengerechter Sport.

Die Etablierung eines Präventionskurses Golf wurde anhand der Kriterien des Leitfadens der gesetzlichen Kranken­kassen auf der Basis des §?20?Abs.?1 und 2?SGB???V erarbeitet. In diesen Kursen liegt der Schwerpunkt auf der Kräftigung und Beweglichmachung der Haltemuskulatur der Wirbelsäule. Regelmäßiges Training der Bauch- und Rückenmuskulatur durch gezielte Übungen stellt die beste Vorbeugung gegen Rückenschmerzen dar. Somit leisten mittlerweile auch die Krankenkassen einen wertvollen Beitrag zur ­Verbesserung des Angebots der Primärprävention. Für gesundheitsbewusste Golfspieler bietet ihr Sport zudem Möglichkeiten zur Sekundär- und Tertiärprävention.
Individuelle Risiken sollten Sie über einen sportärztlichen Check nicht nur feststellen lassen, sondern erarbeiten Sie mit Ihrem Arzt oder Therapeuten einen regelrechten gesundheitserhaltenden und -fördernden Trainingsplan. „Training in der Therapie“ ist hier das Schlagwort. Der Appell geht gleichfalls an die ­Therapeuten: Gehen Sie als Arzt auf die Patienten zu. Warten Sie nicht erst ab, wenn der Golfer „in den Brunnen ge­fallen“ ist. Hier werden regelmäßige, q­ualitativ hochwertige sportmedizinische Fortbildungen angeboten. Die Umsetzung einer derartigen psycho-physischen Behandlung wird zunehmend durch gesundheitsorientierte Golflehrer und –trainer unterstützt. Fragen Sie in Ihrem Club oder beim Deutschen Golf Verband nach entsprechendem Fach­personal. Der entscheidende Schritt ist Ihre Motivation, die den Gesundheits­benefit durch den Golfsport nachhaltig sichtbar macht!
Unser Ziel ist es, dem Golfsport eine wissenschaftliche Basis für den Breitensportler, Ambitionierten, zur Entlastung, zur Optimierung seiner persönlichen Leistungsfähigkeit, zur Gesunderhaltung und vor allem zur Verbesserung der ­Lebensqualität zu geben.

Dr. med. Holger Herwegen

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Holger Herwegen:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/4461

Stichwörter:
Golf medical Golf Präventiona Rehabilitation

Ausgabe MSN 3 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2008.

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