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Alles dreht sich um die Wirbelsäule

*Haltungs- und Bewegungsapparat:*

Der Golfabschlag ist eine sportliche ­Bewegung mit sehr hoher Bewegungsgeschwindigkeit. Es handelt sich dabei um einen nicht planbaren Vorgang, der nur dreidimensional analysiert werden kann. Moderne Bewegungsanalysen kombinieren eine 2-Kamera-Videometrie mit einer simultanen Messung der Gewichtsverlagerung und finden nicht nur in der Leistungsoptimierung einen Grund zum berechtigten Einsatz. Gerade bei Einschränkungen des Haltungs- und Bewegungsapparates kommen die kinematischen Analyseverfahren in Hinsicht einer individuellen Korrektur bzw. Behandlung hervorragend zur ­Geltung. Die Verlagerung des Körpergewichts mittels der vertikalen Bodenreaktionskraft stellt sich hier als zuverlässiger Parameter zur Charakterisierung des vollen Golfschwungs und seiner markanten Schwungpositionen. Sie ist vergleichbar mit der „Handschrift“ des Golfers.

Die Wirbelsäulenbelastung findet ­ihre Ursache vor allem in einer unphy­siologischen Haltung. Aufgrund der durch die Anatomie vorgegebenen Drehachsen einzelner Wirbelsäulenabschnitte stellt die Brustwirbelsäule „den“ Drehfaktor dar. Vermehrte Kyphosierungen durch muskuläre Schwäche oder altersbedingte degenerative Prozesse am knöchernen Skelett bedingen eine übermäßige rotatorische Anforderung an die Lendenwirbelsäule und Hüftgelenke. Nicht nur die übermäßigen Kompensationsbewegungen, sondern auch die dadurch verbundenen Scherkräfte beeinflussen die kaudalen Bandscheiben und sind somit für die häufig berichteten unteren Rückenschmerzen verantwortlich. Schließlich leidet auch hier ­nachweislich die Qualität Ihres Golfschwunges erheblich.

Aufgrund der großen Beteiligung der hohen Altersgruppen im Golfsport sind insbesondere für diese Spielerinnen und Spieler einige Hinweise zur „gesunden“ Ausführung des Golfspiels zu geben: Bei bestehender Arthrose in Fingern und Händen empfehlen wir einen Griffwechsel bei breiterer Griffwahl vorzunehmen, d.h. für Rechtshänder soll der linke Daumen mehr um den Griff ­gelegt werden. Dadurch erreichen Sie mehr Handgelenksbeweglichkeit während des Schlages. In der Ausgangsstellung ­sollten die Füße zur Ermöglichung leichterer Drehung in jede Richtung leicht nach außen gerichtet werden. Die Ballposition sollte leicht weiter vorn sein. Somit wird eine kraftvollere Be­wegung in Zielrichtung ermöglicht. Die Seniorenschläger sollten leichtere Köpfe und flexiblere Schäfte besitzen.
Schäfte aus Graphit oder Leichtstahl ermöglichen mehr Beschleunigung. Die
„extrem-hit-position“, die für einen sehr langen Schlag notwendig ist, sollte vermieden werden. Ein Schlag mit 3/4 oder 4/5 Kraftaufwand erfordert nicht diese extreme Körperhaltung und vermeidet damit Überlastungen. Häufig wird dieser 4/5-Schlag „therapeutischer Golfschlag“ genannt.

Am Beispiel der Gelenkprothesen sollen einige Bemerkungen für ein ­verletzungsarmes Golfspiel dargestellt werden. Zwar existieren keine Studien darüber, ob Golf die Lebensdauer einer Prothesenimplantation (Hüfte, Knie oder Schulter) beeinflusst, jedoch ­sollten Prothesenträger folgenden Hinweisen verstärkte Beachtung schenken:
Bei nassem Wetter vermeiden Sie das Spiel wegen erhöhter Ausrutschgefahr. Bei der Wahl des Schuhwerks sollte auf Golfspikes verzichtet werden. Die Füße können leichter drehen und damit den Stress auf die Knie und Hüften ver­ringern. Verlagern Sie den Schwung auf den Fußballen zur leichteren Rotation. Beim Ausholen sollte die linke Ferse angehoben und beim Durchschwung – insbesondere vor dem Treffmoment – die rechte Ferse hochgehoben werden. Patienten mit Hüftendoprothesen sollten unterstützt durch verbesserte Brustwirbelsäulen-Rotation und Stabilisierung der Lenden-Becken-Muskulatur eine leichtere Hüftdrehung erlernen. Rechtshänder mit einer Knieendoprothese rechts ziehen einen Vorteil durch einen Schritt vorwärts mit dem rechten Bein während des Schwunges in Richtung Ziel. Rechtshänder mit Knieendoprothese links profitieren von einer mehr offenen Stellung sowie Entlastung der linken Ferse beim Ausholen und ­weniger Drehen der Hüfte. Gegebenenfalls kann auch hier der Einsatz eines speziellen Schuhwerks mit Erleichterung der ­rotatorischen Komponente zum Einsatz kommen. Die individuell „richtige“ Technik ist in jedem Fall nicht in einem Lehrbuch zu finden, sondern ergibt sich aus der interdisziplinären Diagnostik und Beratung durch den Therapeuten in Zusammenarbeit mit dem Golftrainer.

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Holger Herwegen:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/4461

Ausgabe MSN 1 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2008.

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