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Sport und Sportmedizin in der Bundeswehr

In der historischen Betrachtung des Sportes in Armeen stellt man häufig eine ­Zweckbezogenheit zur Steigerung der soldatischen Kampffertigkeiten fest. Bei der
Einrichtung der Sportschule der ­Bundeswehr 1957 wurde in kritischer Auseinander­setzung mit dem damaligen DSB eine klare Trennung der sportlichen und der ­militärischen Ausbildung getroffen. 50 Jahre später soll die Rolle des Sportes und der Sportmedizin in einer transformierten Bundeswehr, die sich von einer Verteidigungsarmee zu einer Einsatzarmee gewandelt hat, neu beschrieben werden.

Als Teil der Gesellschaft ist die Bundeswehr mit ihren Soldaten von der zunehmenden Häufigkeit an Übergewicht/Adipositas und Defiziten in der körperlich-sportlichen Leistungsfähigkeit betroffen. Dem gegenüber stehen die Spitzensportler der Bundeswehr. Als größter Förderer des Spitzensportes in Deutschland stellt der Arbeitgeber Bundeswehr derzeit Dienstposten für über 700 Spitzensportler/-rinnen in 18 Sportförderkompanien zur Verfügung. Die Trainings- und Wettkampfbetreuung, sowie ein Teil der sportmedizinischen Betreuung, werden überwiegend von Verbands-/Landes-/Bundestrainern und Verbands­ärzten wahrgenommen. Im Kontext
von Dienst-, Breiten-, Leistungs- und Hochleistungssport sowie Präventiv­medizin steht die Sportmedizin der Bundeswehr.

Diese Aufgabe wird vom Sportmedizinischen Institut der Bundeswehr in Warendorf wahrgenommen. Die Aufgaben beschränkten sich zunächst auf die ärztliche Versorgung der Lehrgangsteilnehmer und die Abhaltung von sportmedizinischen Kursen für die Ärzte der Bundeswehr. 1959 wurden mit dem Beitritt der Bundeswehr zu CISM (Conseil International du Sports Militaire) höhere Anforderungen an die Qualität der sportmedizinischen Versorgung gestellt, die allerdings aus Gründen der personellen und materiellen Ausstattung nicht optimal zu erfüllen waren. Dies änderte sich 1978 mit dem Umzug der Sportschule der Bundeswehr nach Warendorf in einen exzellenten Sportanlagenkomplex. Die sportmedizinische Abteilung bezog auf dem Areal der Sportschule einen professionell konzipierten Neubau, auch die ­Ausstattung mit Fachpersonal, Diagnostik- und Therapiegeräten führte zu einer Leistungsfähigkeit, die vergleichbar mit den Sportmedizinischen ­Instituten der Universitäten war. 1991 erhielt die sportmedizinische Abteilung (ab 1993 Sportmedizinisches Institut der Bundeswehr) die Anerkennung als ­lizenzierte Untersuchungsstelle des DSB (heute DOSB).
In Zusammenarbeit mit den benachbarten Universitäten erfolgte eine intensive Forschungstätigkeit in der Laktatleistungsdiagnostik, insbesondere im Schwimmsport. Zusammen mit dem Bundestrainer des DSV wurde ein aerob/anaerobes Stufentestverfahren im Schwimmsport entwickelt, das heute noch breite Anwendung findet.

Ende der 90er Jahre verlagerte sich der Forschungsschwerpunkt in den Bereich Präventivmedizin. Untersuchungen über die Energiegewinnung, insbesondere die Rolle der Fettverbrennung bei Ausdauersportarten mit unterschiedlicher Intensität, kardiovaskuläre Risikofaktoren in Abhängigkeit von der­ ­Fitness, schafften wesentliche Grund­lagen zur Gestaltung eines Fitness-/Gesundheitssportes in der Bw. Im Laufe der Zeit wurde eine Umstrukturierung in die drei Fachbereiche Innere ­Medizin/Leistungs-/Hochleistungssport, Orthopädie mit angeschlossener Physiotherapie und Allgemeinmedizin/Präventivmedizin mit Ernährungsberatung vorgenommen.
Immer mehr Spitzensportler sehen das Institut als erste Kontakt-, Beratungs- und Untersuchungsstelle bei gesundheitlichen Problemen an. Spezial­kräfte der Bundeswehr (insbes. das KSK) nutzen regelmäßig die fachübergreifenden Kompetenzen und die ­intensive Physiotherapie, um ihre volle Einsatzfähigkeit wieder zu erlangen. ­Einen präventiven medizinischen Forschungsschwerpunkt bildet das 2001 gegründete AIP (Adipositas-Interventionsprogramm der Bundeswehr) mit der Konzeption eines für die Bundeswehr geeigneten Diagnostik- und Behandlungsregimes.
Ein weiterer Schwerpunkt in der Zusammenarbeit ist die Konzeptionierung einer Fachsportleiteraus­bildung Gesundheitssport, so dass auch in der Truppe eine gezielte Sporttherapie bei Soldaten mit internistischen oder orthopädischen Begleiterkrankungen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit und Gesunderhaltung durchgeführt werden kann.
Zusammenfassend bietet das Sportmedizinische Institut der Bundeswehr dem Leistungssportler und dem leistungsorientierten Hobbysportler, dem übergewichtigen oder gesundheitlich gehandicapten Soldaten eine kompetente Untersuchung, Behandlung und Beratung an.
In der Präventivmedizin wurde ein Behandlungskonzept für ­Soldaten mit Übergewicht entwickelt, das neben einer Gewichtsreduktion und Minimierung begleitender kardiovas­kulärer Risikofaktoren auch die Leistungsfähigkeit und damit die Einsatz­fähigkeit steigert. Dem militärischen Führer zeigen wir durch Seminare ­Mittel und Wege auf, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten und vermitteln ihm die Bedeutung von Sport im Verbund mit einer gesundheitsorientierten Lebensweise. Die zukünftige Forschung im Institut wird sich mit der Prophylaxe von Sportverletzungen und Überlastungsschäden in der Bundeswehr befassen und nach Möglichkeiten zu einer professionelleren Gestaltung der Sportausbildung suchen.

Dr. Johann Hutsteiner

Ausgabe MSN 4 / 2007

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 4 / 2007.

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