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Rodeln - Interview mit Georg Hackl

Masiar Sabok Sir von MedicalSportsNetwork sprach mit Georg Hackl. Er gilt als weltweit als erfolgreichster Rennrodler. Hackl siegte auf allen namhaften Rodelbahnen und war über
18 Jahre immer an der Spitze des Rodelsportes.

Georg Hackl, Sie gehörten über 18 Jahre der Spitze des Rodelsports an. Wie ist das Leben danach? Sind Sie dem Sport treu geblieben?

Der Rodelsport bedeutet mir sehr viel im Leben, er hat mich als Mensch ­geformt und mir viel gegeben. Die ­Liebe zu dieser Sache und mein großes ­Wissen darum, das ich mir in dieser langen Zeit angeeignet habe, sind die Hauptgründe warum ich mich entschlossen habe, als Trainer dem Rodelsport treu zu bleiben. Ich befinde mich derzeit gerade in der Trainerausbildung an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Neben dem Sport sind Sie bekannt für Ihr soziales Engagement. Unter anderem sind Sie Schirmherr der Stiftung „Juvenile Adipositas“. Was sind Ihre Ziele und wie kam es dazu?

Die Adipositas ist eine Entwicklung unserer Zeit, die sehr gefährlich ist. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für unsere gesamte Gesellschaft. Die Fallzahlen nehmen rasend zu und wenn man diese Situation hochrechnet, kann man mühelos erkennen, dass es in ­einigen Jahrzehnten oder schon Jahren zu einer nicht mehr auszugleichenden Überlastung der Gesundheitskassen durch die vielen Erkrankten kommt, bei gleichzeitig sehr viel weniger gesunden Beitragszahlern. Für die Betroffenen ­bedeutet es eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität, Krankheit, Einsamkeit und schließlich frühzeitigen Tod.
Bei uns in Berchtesgaden gibt es gleich zwei Kliniken in denen Adipositas behandelt wird. Wenn man räumlich so nah mit der Situation konfrontiert ist, liegt es nahe, sich dafür auch zu ­engagieren.

Wie sind Sie eigentlich zum Renn­rodeln gekommen? Wer hat Ihnen diesen Sport ermöglicht?

Schon als Kind war ich von Geschwindigkeit und Steilkurven fasziniert. Durch die Nähe der Königsseer Rodelbahn zu meinem Zuhause war es nur eine Frage der Zeit, wann ich es mal ausprobiere. Durch ein Programm im zusätzlichen schulischen Sportunterricht, in dem auch Rennrodeln ange­boten wurde, habe ich die Chance dann ergriffen.

*Können Sie uns einen typischen ­Trainingstag eines Rodlers beschreiben? Was sind die Schwerpunkte neben Rodeln? Haben Sie Erfahrungen mit unkonventionellen Trainings
methoden?*

Im Allgemeinen enthält der Trainingstag eine oder zwei Bahntrainings­einheiten, eine athletische Trainings­einheit in der Halle oder im Kraftraum, dazu physikalische Maßnahmen zur Regeneration und Optimierungs- und Wartungsarbeit am Sportgerät. Die ­Anforderungen im athletischen (konditionellen) Bereich sind in erster Linie Maximal- und Schnellkraft für die Startphase.

Man sieht immer wieder wie Rodler vor dem Rennen mit geschlossenen Augen die Bahn im Kopf abfahren. Welche Rolle hat für Sie mentales Training gespielt?

Das ideomotorische Training ist eine ganz wesentliche und hoch wirksame Methode wenn es darum geht, sich ­akribisch auf die Umsetzung von ­hochpräzisen Bewegungsabläufen vorzubereiten. Für mich ist es auch heute noch in vielen Situationen sehr wichtig und nützlich.

Was für Gedanken kommen einem, wenn man mit diesen enormen ­Geschwindigkeiten durch den Eiskanal rast? Haben Sie Angst?

Angst hat man keine, denn man macht etwas, das man bis zur Perfektion ­trainiert hat und beherrscht. Man sollte dabei jedoch voll auf die Sache konzentriert sein und an nichts anderes denken. Diese Fähigkeit voll abzuschalten und sich absolut zu konzentrieren, ist sehr entscheidend und wird in diesem Sport immer weiter perfektioniert.

Wie sieht es mit den Verletzungs­risiken im Rodelsport aus? Welche Erfahrungen haben Sie selbst gemacht?

Natürlich kann man sich häufig ver­letzen, wenn man sich ohne nennenswerten Schutz mit so hohen Geschwindigkeiten bewegt. Gott sei Dank kommt es hauptsächlich nur zu Prellungen und Hautabschürfungen, die schnell wieder abheilen. Knochenbrüche oder noch schlimmere Verletzungen sind eher ­selten.

Gibt es eine spezielle medizinische Kontrolle vor, während und nach den Wettkämpfen?

Es gibt einen Gesundheitscheck jedes Jahr, bei dem überprüft wird, ob man allgemein und in seiner Sportart belastbar ist. Es kann zu jeder Zeit eine unangemeldete Dopingkontrolle erfolgen, der sich niemand und zu keiner Zeit entziehen darf. Nach Wettkämpfen ­werden auch die Medaillengewinner und einige zufällig ausgeloste Athleten auf Doping überprüft. Diese Kontrollen sind zwar nicht immer angenehm, aber absolut notwendig um einen fairen Sport garantieren zu können.
*Sie haben dreimal olympisches Gold sowie zweimal Silber geholt. Wie sehen Sie die Zukunft des deutschen Rennrodelsports und wie sehen Sie ihre eigene Zukunft?*

Ich sehe die Zukunft des Deutschen Rodelsports äußerst positiv, denn unsere jungen Athleten, mit denen auch ich jetzt schon arbeite, sind sehr engagiert und talentiert, sie zeigen Fleiß und vor allem Freude am Sport. Sie sind zurzeit sehr erfolgreich und werden höchstwahrscheinlich auch in der Zukunft ­erfolgreich sein. Deshalb freue ich mich darauf sie auf diesem Weg unterstützend zu begleiten und somit sehe auch ich selbst sehr positiv in die Zukunft.

Ausgabe MSN 1 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2008.

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