08.02.2012 22:56 - Über uns - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner
Ärzte & Sportklinik > Masiar Sabok Sir > Leichtathletik / Siebenkampf - Interview mit Lilli Schwarzkopf

Leichtathletik / Siebenkampf - Interview mit Lilli Schwarzkopf

Für viele Leichtathletikfans ist der Siebenkampf eine der interessantesten und anspruchsvollsten Disziplinen. Wie kamen Sie zum Siebenkampf und warum entschieden Sie sich nicht für eine Einzeldisziplin?

Lilli: Die Liebe zum Siebenkampf liegt bei uns sozusagen in der Familie. Mein Papa hat sich diesem Sport bereits verschrieben und ist als mein Trainer tätig. Der Reiz des Siebenkampfes liegt in seiner Vielseitigkeit. Auch das Training ist einfach nie langweilig.

Deutsche Juniorenmeisterin 2002, Deutsche Meisterin 2004, EM-Dritte 2006, derzeit Weltranglisten Fünfte, um nur einige Ihrer Erfolge zu nennen. Trotzdem gibt es sicherlich Disziplinen, die Ihnen nicht liegen. Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen?

Im Ganzen gibt es wohl immer rundum Stärken und ebenso rundum Schwächen. Ausgewogenheit ist die größte Stärke, die ich mir zuschreiben würde. Wenn, dann „hapern“ grundsätzlich die Sprint-Disziplinen ein wenig.

Welche drei Eigenschaften muss ein(e) perfekte(r) Siebenkämpfer(in) haben?

Da ich mich selbst nicht als perfekt bezeichnen würde, kann ich das eigentlich nicht sagen. Ich habe mir jedoch Gedanken zu der Frage gemacht und würde Ehrgeiz, Geduld und Ausdauer nennen.

Als Mehrkämpfer muss man natürlich gute Leistungen auf unterschiedlichen Feldern der Leichtathletik erbringen. Ein Training, das die Leistung in allen Bereichen steigert, erscheint schwierig. Wie sieht ein typischer ­Trainingsablauf aus, bzw. haben Sie spezielle Trainingsmethoden?

Ich denke, dass es keine typische Trainingsmethode gibt. Viele Wege führen nach Rom und jeder einzelne davon unterscheidet sich von den anderen. Das Training muss individuell betrachtet werden. Wichtig ist immer die Kombination – das Umschalten von einer Disziplin auf die andere sowie die dafür notwendige Konzentration. Das Muster eines Trainings ist natürlich immer ähnlich. Man kann einzelne Schwerpunkte setzen, aber im Vordergrund steht meist die Ausgewogenheit zwischen den ­Disziplinen – die goldene Mitte, die es zu finden gilt.

Spielt mentales Training für Sie eine Rolle?

In gewisser Weise geht Nichts ohne mentales Training. Alles entscheidet sich im Kopf und was sich darin abspielt, ist meist entscheidend. Man geht zum Beispiel den Ablauf im Kopf durch und versucht ruhig zu werden, sich zu konzentrieren. Wenn man Pech hat, macht einen aber genau das wiederum nervös.

Gerade in Ihrer Sportart ist die ­Verletzungsgefahr sehr hoch. Hatten Sie selbst schon langwierige ­Verletzungen? Wenn ja, welche? Wie gingen Sie damit um?

Grundsätzlich ist die Verletzungsgefahr natürlich immer hoch. Das gehört dazu. Bis jetzt wurde ich aber von lang­wierigen Sachen verschont – und ich hoffe, dass es auch so bleibt.

Gibt es eine spezielle medizinische Kontrolle vor, während und nach den Wettkämpfen?

Es gibt medizinische Kontrollen, natürlich. Diese kommen nicht häufig vor, sind aber immer sehr umfassend und reichen von Blut- bis zu orthopädischen Untersuchungen.

Doping ist momentan in aller Munde. Leichtathletik ist da keine Ausnahme. Wird eigentlich unter Sportlern über dieses Thema gesprochen? Haben Sie bei Wettkämpfen oder in der Vorbereitungsphase schon einmal Hinweise auf Dopingmissbrauch erhalten?

Ein schwieriges Thema, zu dem vor allem auch die Medien viel Aufmerksamkeit produzieren. Natürlich wird darüber gesprochen. Und sobald man auf internationaler Ebene angelangt ist, wundert man sich schon mal über herausragende Leistungen. Andererseits darf man nicht vergessen, dass diese auch immer verdient sein können.

Durch eine beeindruckende Energieleistung haben Sie beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen gewonnen und sich das WM-Ticket für Osaka 2008 ­gesichert. Siebenkampf Bundestrainer Klaus Baarck gibt als Ziel für Osaka zwei Platzierungen unter den ersten sechs an. Stimmen Sie ihm zu? Wie sehen Ihre Ziele für die WM aus?

Es muss immer ein Ziel geben und alle werden sich bestmöglichst vorbereiten. Ich möchte mich selbst jetzt aber nicht zusätzlich unter Druck setzen und eine definitive Aussage treffen. Aber soviel sei gesagt: auch wenn ich aus irgendwelchen Gründen nicht mein Bestes geben kann, werde ich sicher nicht kampflos aufgeben.

Neben dem Sport studieren Sie an der Universität Paderborn Sportwissenschaft. Wie kommen Sie mit dieser Doppelbelastung klar? Ist Ihr Studium ein zweites Standbein, oder können Sie von Ihrem Sport leben?

Der Sport ist irgendwann einmal vorbei und man möchte natürlich etwas nach der sportlichen Karrieren haben. Ich habe mich innerhalb meines Studiums noch nicht spezialisiert, aber es ist mein zweites Standbein. Insbesondere da es unmöglich ist, vom Sport allein zu ­leben.

Wie sehen Sie selbst ihre Zukunft? Welche Ziele und Pläne haben Sie?

Meine Ziele und Pläne kann ich nicht an Wettkämpfen „dingfest“ machen. Wenn ich erfolgreich bin und vor allem auch zufrieden, dann kann es auch weitergehen. Manchmal scheint es mir, als hätte ich erst angefangen und alles fühlt sich neu an.

Wir wünschen noch viel Erfolg für die Zukunft!

Ausgabe MSN 3 / 2007

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2007.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download

Der Autor:

Weitere Artikel online lesen