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Motorsport - Interview mit Timo Scheider

Das Deutsche Tourenwagen-Masters (DTM) ist nach wie vor ein Zuschauermagnet und gilt neben der Formel 1 als eine der interessantesten Motorsportveranstaltungen. Am 26.Oktober kam es am Hockenheimring zur ­Entscheidung um den Gesamtsieg der DTM-Saison 2008.
MedicalSportsNetwork war für Sie vor Ort und konnte ­exklusiv mit dem Sieger Timo Scheider (Audi) sprechen.

Timo Scheider, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Audi-Sieg bei der DTM. Wie kamen Sie zum Motorsport und was ist gerade das Besondere an der DTM?

Vielen Dank. Ich habe mit zehn Jahren zum ersten Mal in einem Kart gesessen, seitdem spielen Motorsport und Autos eine große Rolle in meinem Leben. Vielleicht auch, weil mein Vater Fahrlehrer war. Für Audi in der DTM zu fahren, war schon immer mein größter Traum. Allein beim Finale in ­Hockenheim waren am gesamten Wochenende 165.000 Fans an der Strecke – diese große Begeisterung, gepaart mit Top-Fahrern und einer extrem großen Leistungsdichte machen die DTM einzigartig.

Wie sieht die Verletzungsgefahr beim Motorsport aus? Was gibt es neben Unfällen zu beachten? Welche Verletzungen treten auf?

Neben einer absoluten körperlichen Fitness werden, wie überall im Motorsport, natürlich hauptsächlich die ­Nackenmuskeln beansprucht. Je nach Strecke wirken dort Kräfte von mehreren G, die wir abfangen und trotzdem noch die Konzentration und den Überblick behalten müssen. Von schwereren Unfällen im ­Tourenwagen bin ich bis jetzt zum Glück verschont geblieben.

Wie werden diese Verletzungen behandelt? Wie sieht die Prävention dafür aus? Gibt es spezielle Methoden, Geräte, Maßnahmen, die Sie benutzen?

Zunächst einmal wird von Audi und der DTM alles dafür getan, uns Fahrer so gut wie möglich zu schützen. So war die DTM beispielsweise die erste Rennserie überhaupt, in der neben Helm und feuerfestem Overall auch das Tragen des HANS-Systems (Head And Neck Support) Pflicht wurde. Darüber hinaus sind unsere Fahrzeuge mit einem ­Sicherheitskäfig konstruiert und haben eine Luke im Dach, durch die das Rettungsteam leicht an den Kopf des Fahrers gelangen kann. Dazu haben wir ein seit Jahren eingespieltes Team an der Rennstrecke, das im Ernstfall binnen Sekunden am Fahrzeug ist. Zum Glück nehmen wir das in der DTM aber nicht oft in Anspruch.

Wird das Training speziell darauf ausgelegt? Wie sieht das Training ­eines Motorsportfahrers aus?

Wichtig ist zunächst einmal die Ausdauer. Im Cockpit eines DTM-Autos wird es während eines Rennens leicht mal 55 bis 60 Grad Celsius heiß. Trotzdem müssen wir auch nach 80 Runden noch die volle Konzentration behalten. Einige meiner Fahrerkollegen trainieren deshalb sogar mit einem Ergometer in der Sauna, um die Belastung zu simulieren. Ich persönlich laufe lieber oder ­fahre mit dem Fahrrad. Hinzu kommt außerdem ein spezielles Training für die Nackenmuskulatur. Wir treffen uns mit allen Audi-Fahrern vor der Saison zu einem Wintertraining, in dem unser Leistungsstand gemessen wird und wir einen individuellen Trainingsplan mit nach Hause bekommen. Das ist nicht nur absolut professionell, sondern macht auch eine Menge Spaß.

Gibt es eine komplette medizinische Kontrolle vor, während und nach den Rennen?

Wir haben bei allen Testfahrten und Rennen unseren Teamarzt sowie Physio­therapeuten mit dabei. Kontrollen gibt es nicht – abgesehen von gelegentlichen Doping-Tests, die auch bei uns Standard sind. Aber natürlich steht das Team immer zur Verfügung, wenn es irgendwo zwickt.

*Welche Rolle spielt die richtige ­Ernährung? Werden Supplemente
eingesetzt? Was wird getrunken?*

Meinen Sie während des Rennens oder bei der Party nach einem Sieg? Im Ernst: Unsere Physiotherapeuten und Ärzte achten schon sehr genau darauf, dass wir genug Flüssigkeit zu uns ­nehmen. Wir verlieren während eines Rennens etwa zwei bis drei Liter Flüssigkeit, sodass wir bis Sonntag unseren Flüssigkeitshaushalt aufgebaut haben müssen. Während des Rennens haben wir einen kleinen Tank mit 1,5 Liter Wasser mit an Bord – der aber leider schon nach drei Runden mindestens lauwarm ist.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten aus?

Wir haben am gesamten Wochenende immer wieder feste Termine mit unserem Physiotherapeuten, bei dem die Muskeln gelockert oder Verspannungen herausmassiert werden. Die Zusammenarbeit ist eng, gut und freundschaftlich – wie überall bei Audi.

Ausgabe MSN 6 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 6 / 2008.
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