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Schwimmen - Interview mit Paul Biedermann

Vom Jäger zum Gejagten

Paul Biedermann ist der neue große Schwimm-Star aus Deutschland. 2009 war bisher sein erfolgreichstes Jahr. Bei den Weltmeisterschaften in Rom dominierte der 23-jährige Schwimmer seine Gegner, allen voran Michael Phelps, dem er den Weltrekord über die 200 m Freistil abnahm und ihm damit auch noch die erste Niederlage bei einem internationalen Großereignis seit 2005 zufügte. Vor dem Auftakt der Kurzbahnsaison sprach MedicalSportsNetwork mit dem deutschen Ausnahme-Schwimmer.

Paul Biedermann, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit für ein kleines Resümee. Blickt man auf die Erfolge 2009, so kann man zufrieden sein, oder?

Das Jahr ist noch auf keinen Fall zu Ende. Es steht noch die gesamte Kurzbahnsaison an. Wenn man aber auf die Langbahn schaut, dann ist es mein erfolgreichstes Jahr. Also kann ich sagen, dass ich für die Wettkämpfe auf der 50 Meter-Bahn zufrieden mit mir sein kann.

In einem Interview haben Sie einmal angegeben, dass Michael Phelps für Sie der Topschwimmer Nr. 1 in der Welt ist. Nun haben Sie ihn eindrucksvoll besiegt. Sehen Sie sich jetzt an der Stichwort Ernährung: Auf was müssen Sie in der Vorbereitungs- und Wettkampfphase achten? Wie sieht es mit Nahrungsergänzungsmitteln aus?

Vor wichtigen Wettkämpfen esse ich generell weniger, da man ja auch weniger trainiert. Ich versuche, dann mehr Kohlenhydrate zu essen. In der Zeit verzichte ich auf Süßigkeiten und Co. Also Nahrungsergänzungsmittel benutze ich das AM Sport von Mark Warnecke. Dies benutze ich täglich, da es mit seinem speziellen Aminosäuren mir bei der Regeneration hilft. Während der Wettkämpfe benutze ich hingegen das AM Sport Competition. Dadurch kann ich meine Leistungsfähigkeit steigern.

Bald werden die Hightech-Schwimmanzüge wieder von der Bildfläche verschwinden. Glauben Sie, dass das der richtige Weg ist, und werden sie auf Dauer verschwinden oder eines Tages wieder ein Comeback feiern?

Ja, ich denke, dass es wichtig ist, dass diese Anzüge verboten werden. Sie waren einfach ein zu großes Hilfsmittel. Niemand hätte beim Hochsprung erlaubt, dass man Sprungfedern unter die Schuhe machen kann. Aber bei uns war es im übertragenen Sinne möglich. Was aber nicht bedeutet, dass sich heute jeder so einen Schwimmanzug anziehen kann und dann denkt, er kann Weltrekorde schwimmen. Es gehören schon sehr viele Jahre hartes Training dazu. Das wird aber immer gerne bei der Außendarstellung durch die Medien vergessen. Es wird nur noch vom Anzug gesprochen und nicht mehr vom eigentlichen Athleten. Aber man merkt eben, dass der Fortschritt nicht am Schwimmsport vorbeigeht. Ich hoffe, dass es kein Comeback dieser Neoprenanzüge geben wird.

Spitze der internationalen Schwimmszene? Was hat sich für Sie als Weltmeister verändert?

Natürlich wird man jetzt mehr auf mich schauen. Aber ich denke, ich kann damit umgehen. Ich bin jetzt auch in einer
vollkommen neuen Situation. Vorher war ich der Jäger und nun bin ich der Gejagte. Aber irgendwie motiviert mich das zusätzlich. Mein Leben hat sich durch die beiden Weltmeistertitel nicht groß verändert. Klar, die Medienanfragen sind gestiegen und ein paar mehr Leute erkennen mich auf der Straße, aber privat hat sich nichts geändert. Ich freue mich sehr über das Interesse einiger Sponsoren. Ich möchte auf jeden Fall bis 2012 das Schwimmen als Vollprofi durchführen.

Schwimmer haben einen äußerst athletischen Körper. Geben Sie uns bitte einen Einblick in Ihr Training? Was und wie trainieren Sie, wie halten Sie es mit Krafttraining?

Ich trainiere 6 Tage die Woche. Immer 5 Stunden am Tag. Meist verteilt in 4 Stunden Wassertraining und dann jeweils 1 Stunde Krafttraining oder Dehnung. Nur am Sonntag habe ich den kompletten Tag frei. Ich schwimme im Jahr so zwischen 2000 bis 2500 Kilometer. Vom Inhalt her kommt es immer drauf an, ob man sich auf einen bestimmten Wettkampf vorbereitet oder ob man eine längere Trainingszeit vor sich hat. Im Herbst und Frühjahr steht meistens viele Kilometer Schwimmen auf dem Plan. Je näher der Wettkampfhöhepunkt kommt, desto spezifischer wird das Training. Das Krafttraining ist sehr allgemein gehalten. Wir versuchen, den ganzen Körper zu kräftigen.

Ein Blick in die Zukunft : Was sind ihre nächsten Ziele, was wollen Sie noch unbedingt erreichen ?

Das große Ziel ist Olympia 2012. Olympiasieger ist natürlich der Traum eines jeden Sportlers. Aber jetzt steht erstmal wieder die Kurzbahnsaison an. Mit deutschen Meisterschaften und einer Europameisterschaft. Auch werde ich im November wieder bei zwei Weltcups in Stockholm und Berlin auf Phelps treffen. Ich freue mich auf die Rennen!

Ausgabe MSN 6 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 6 / 2009.
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