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Aminosäuren richtig einsetzen

Nutzen der Aminosäurensupplementation beim leistungsorientierten Training

Erhöhte Proteinaufnahme erleichtert das Abnehmen

Beobachtet man die ständig wechselnden Empfehlungen der Diäten zur ­Körpergewichtsabnahme, so ist festzustellen, dass gegenwärtig der erhöhten Proteinaufnahme bei Diäten verstärkte Aufmerksamkeit zukommt. Vor allem bewirkte eine Erhöhung der Proteine bei Gewichtsreduktionen (Metaboles Syndrom, Diabetes mellitus Typ II, Fettstoffwechselstörungen u.?a.) eine eindeutige Abnahme des viszeralen Fettes ­sowie eine Verbesserung des Glukose- und Lipidstoffwechsels (Famsworth
et al., 2003; Parker et al., 2002; Gannon et al., 2003; Gannon & Nuttalli, 2004 u.?a.). Der Anteil der Nahrungsproteine lag in den Studien zwischen 27–30 Energieprozenten. Proteine bewirken eine ­längere Sättigung, steigern die Thermogenese und sind ein Substrat für die Zuckerneubildung (Gluconeogenese) in der Leber.

Leistungssportliches Training erfordert erhöhte Proteinaufnahme

Eine entscheidende Funktion der Nahrungsproteine ist die Abdeckung des gesteigerten Proteinumsatzes im Strukturstoffwechsel bei stark beanspruchter Muskulatur. Das sportliche Training löst im gesunden oder kranken Zustand ­einen vergrößerten Proteinabbau (Proteinkatabolismus) aus. Der verstärkte Proteinabbau ist ein entscheidender Reiz für die Neubildung der ver­schlissenen Muskelstrukturen. Der ­Austausch der Aminosäuren in der hochbe­anspruchten Muskulatur kann täglich 2–15?% betragen (Mader, 1990). Im physiologischen Bereich ist ein Austausch von 2–6?% normal und repräsentiert zugleich das Anpassungspotenzial. Die durch die Trainingsbelastung an­geregte Proteinsynthese kann nur zunehmen, wenn die Verfügbarkeit von Aminosäuren in die Zellen ansteigt. ­Eine Glykogenverarmung bei Hungerzuständen oder Langzeitausdauerbelastungen zwingt den Organismus zum Abbau von Proteinen aus muskulären Strukturen. Die im Stoffwechsel frei werdenden Aminosäuren, besonders die BCAA´s (Valin, Leucin, Isoleucin) sowie zusätzlich Alanin und Glutamin, werden bevorzugt zur Glukoneogenese in der Leber abgebaut. Der Anteil der energetisch verwerteten Proteine bzw. Aminosäuren kann bei Energiemangel unter Belastung bis zu 10?% an
der ­Gesamtenergiegewinnung ansteigen (Poortmans, 1988). Damit ergibt sich die Frage, wie viele Proteine mit der Nahrung oder auch während einer Langzeitausdauerbelastung aufgenommen werden müssen?
Das Hauptkennzeichen des Leistungstrainings ist die Erhöhung des Energieumsatzes; der Proteinbedarf steigt
bei über 20?h Training/Woche um den ­Faktor 2 bis 3 an.
Die Normvorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zum täglichen Proteinbedarf von 0,8 bis 1,2?g/kg Körpermasse sind für die ­Mehrzahl der Leistungssportler nicht zutreffend. Eine Proteinaufnahme von unter 1?g/kg Körpermasse führte bei Leistungssportlern zu einer negativen Stickstoffbilanz (Friedman & Lemon, 1989).
Bei der kontroversen Diskussion um die notwendige Proteinversorgung bzw.
-menge der mit der Nahrung aufzunehmenden Proteine wurde bisher die ­Qualität der Proteine wenig beachtet.

Qualität der Proteinaufnahme ist an essenziellen Aminosäuren messbar

Das betrifft besonders die Rolle der ­essenziellen Aminosäuren im Meta­bolismus. Zwischen den unentbehrlichen (essenziellen), konditionell entbehrlichen und entbehrlichen Aminosäuren wurde nur akademisch unterschieden, da man davon ausging, dass der Körper einen Großteil verschlissener Proteinstrukturen von selbst wieder synthetisiert. Erst langjährige Untersuchungen in den USA zu den essenziellen Aminosäuren veranlassen zur Umorientierung in der Beurteilung von deren Wirkung im Stoffwechsel (Lucá-Moretti et al., 2003). Mit dem Nachweis, dass nur die essenziellen Aminosäuren (Valin, Leucin, Isoleucin, Methionin, Phenylalanin, Tryptophan, Lysin, Threonin) zu 99?% anabol verwertbar sind, muss die Wirkung der Proteine im Stoffwechsel ­anders bewertet werden. Der Aminosäurepool bei 70?kg Körpergewicht beträgt etwa 90?g, davon sind nur 4,1 g essenzielle Aminosäuren (Bergström et al., 1974). In geeigneter Galenik werden die essenziellen Aminosäuren nach 23 Min. resorbiert. Die bisher vertriebenen Proteinkonzentrate, die aus Milch­produkten oder Soja stammen, hatten nur einen anabolen Effekt von 16?% (Lucá-Moretti, 1992). Sie kamen nicht mal an die biologische Wertigkeit von Fleisch, Geflügel oder Fisch heran.
Bemerkenswert ist, dass das Hühnerei mit 48?% anaboler Verstoffwechselung und 52?% energetischer Verwertung (Oxidation) ein effektives natürliches Protein ist. Damit hatten die Boxer in der Vergangenheit im Prinzip richtig gehandelt, indem sie zum Kraftaufbau große Mengen an Hühnereiern aßen. In einer eigenen Untersuchung (Neumann & Hottenrott, 2007) konnte gezeigt werden, dass nach Gabe eines Proteinkonzentrats (Eiweißshake) der Serumharnstoffspiegel ohne körperliches ­Training in den folgenden sechs Stunden im Mittel um 20–25?% zum Ausgangswert anstieg. Im Vergleich dazu
führte eine Proteinäquivalentsdosis mit Hühnerei und einem Aminosäure-­Nahrungsergänzungsmittel zu einem durchschnittlichen Anstieg der Serumharnstoffkonzentration um 7–11%. Mit dieser Untersuchung konnte gezeigt werden, dass Eiweißshakes mit einem hohen Anteil an nicht-essenziellen Aminosäuren katabole Stoffwechsel­reaktionen auslösen können, das bedeutet, dass Aminosäuren die dem katabolen Stoffwechselweg folgen, nicht für die Körper-Protein-Synthese zur Verfügung stehen.

Zufuhr einzelner Aminosäuren nicht sinnvoll

Alle Versuche, durch gezielte Zufuhr einzelner Aminosäuren einen leistungssteigernden Effekt zu belegen, waren wenig erfolgreich (Abel et al., 2005). Bei der erhöhten Einnahme von einzelnen Aminosäuren können Mangelerscheinungen der übrigen Aminosäuren im Aufbaustoffwechsel auftreten. Eine funktionierende Proteinbiosynthese ist bei Fehlen einzelner essenzieller Aminosäuren gestört. Unabhängig davon, kann im Leistungstraining ein erhöhter Bedarf z.?B. an Arginin oft nicht gedeckt werden.

Aufnahme spezieller Aminosäurenkombinationen erhöht Kraft und Ausdauer

Um die Wirkung spezieller Amino­säurengemische auf die Muskelkraft und die Ausdauerleistung zu prüfen, haben wir zwei Studien am Institut für Leistungsdiagnostik und Gesundheitsförderung (ILUG®) der Uni Halle durch­geführt.
In der ersten Studie (Hottenrott & Neumann, 2007) nahmen zwei in einem randomisierten Verfahren ausgewählte Gruppen an einem kontrollierten 6-­wöchigen Krafttraining teil. Die Verum­gruppe nahm täglich zur gewohnten Mischkost 10?g essenzielle Aminosäuren (MAP®) auf. Die Test- und Trainings­übungen waren: Knie­beugen, Bank­drücken, Latziehen, Bizepscurls, Klimmzüge, Beugestütze. Beide Gruppen zu je 12 Personen trainierten nach gleichen Trainingsvorgaben mit dem Ziel mehr Muskelkraft aufzubauen. Nach 6 Wochen kam es zu einem signifikanten Kraftzuwachs von 22,6?% in der Verumgruppe und 13,4?% in der Kontrollgruppe.
In einer zweiten aktuellen placebokontrollierten Doppelblindstudie prüften wir die Wirkung eines speziellen Amino­säurengemisches (amino-loges®) auf die Ausdauer. An der Untersuchung nahmen 40 aktive Radsportler teil. Während des gesamten Untersuchungszeitraums von 28 Tagen wurden täglich 10?g
amino-loges® als Verumpräparat oder ein gleich aussehendes Placebopräparat im randomisierten Doppelblindverfahren verabreicht. An den Trainings- oder Untersuchungstagen wurden 30 Minuten vor und unmittelbar nach dem Rad fahren jeweils 5 g mit 0,2 Liter Wasser aufgenommen. An den trainingsfreien Tagen wurden morgens vor dem Frühstück und abends vor der Nachtruhe ­jeweils 5 g ebenfalls mit 0,2 Liter ­Wasser eingenommen. Die Ausdauerleistung wurde auf dem Radergometer im ­Dauertest bei einer Wattleistung an der 4?mmol/l Laktatschwelle ermittelt. Nach 4?Wochen verlängerte sich die Dauerleistung signifikant um 21?% bei der Verumgruppe (amino-loges®) und um 10?% bei der Placebogruppe.

Zusammenfassung

Im Leistungstraining ist eine zusätzliche Aufnahme spezieller Aminosäuren mit geeigneter Galenik sinnvoll. Die Qualität der Proteinaufnahme wird von der spezifischen Zusammensetzung essenzieller und semiessenzieller Aminosäuren bestimmt.

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Prof. Dr. Kuno Hottenrott:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/6746

Ausgabe MSN 2 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 2 / 2008.

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