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Ärzte & Sportklinik
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Prof.Dr. Dorothee Alfermann
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Choking under pressure
Choking under pressureLeistungsabfall unter Druck
Was heißt Choking im Sport? Choking bedeutet, dass im Vergleich zu dem zu erwartenden Leistungsniveau eine Leistungsminderung eintritt, die darauf beruht, dass sich unter wahrgenommenem Druck die psychischen Leistungsvoraussetzungen ändern, etwa das Angstniveau steigt. Typischerweise geschieht dies in Situationen Choking kann aber auch nur gelegentlich auftreten und lässt sich dann auch bei Spitzensportlerinnen und -sportlern beobachten. Typisch ist bei ihnen, dass die subjektive Wahrnehmung von Druck und die daraus resultierenden Folgen auf das Leistungsniveau nicht seit Beginn eines Wettkampfs vorliegen müssen, sondern sie können auch erst im Verlauf eines Wettkampfs auftreten, etwa wenn bei einem Golfturnier ein Spieler zunächst kontinuierlich seinen Vorsprung ausbaut, um dann in der zweiten Hälfte, also den letzten neun Löchern, Leistungseinbußen zu erleben, die den Sieg kosten können. Ein anderes Beispiel ist eine Niederlage während eines Tennismatch, die nach zunächst klarer Führung eintritt und auf einem Leistungseinbruch der späteren Verliererin basiert. So passierte es Maria Scharapowa, zu dem Zeitpunkt Nummer 1 der Weltrangliste, als sie im Turnier von Indian Wells in Kalifornien 2007 nach deutlicher 6:4 und 5:3 Führung zunächst den zweiten Satz mit 5:7 und dann das gesamte Match mit 1:6 im dritten Satz an ihre Gegnerin abgab. Ursache war eindeutig ein Leistungsabfall unter Druck. Maria Scharapowa verlor nicht nur das Match, sondern auch den ersten Platz in der Weltrangliste. Welche Ursachen werden für Choking genannt? Es gibt zwei Erklärungen: Selbstaufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsablenkung. Beide Erklärungen beanspruchen Plausibilität und empirische Evidenz.
Die erste Erklärung postuliert, dass Choking auf einem Anstieg der Selbstaufmerksamkeit beruht. Der wahrgenommene Druck führt dazu, dass Angst vor Versagen entsteht, die wiederum eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit auslöst. Sie bewirkt, dass die Bewegung nicht mehr automatisiert ausgeführt wird, sondern die Athleten plötzlich bewusst darauf achten, wie die Bewegung ablaufen soll(te). Sie denken also über die Bewegung nach. Paradoxerweise führt somit die erhöhte Aufmerksamkeit dazu, dass Bewegungen nicht mehr automatisiert und damit optimal ablaufen. Wenn Ihr Gegner im Tennis beim Seitenwechsel so ganz nebenbei zu Ihnen sagt, dass Sie bei der Vorhand den Schläger so komisch halten, so dürfen Sie das ruhig als gezielten Versuch deuten, Ihre Selbstaufmerksamkeit zu erhöhen und dadurch Choking einzuleiten. Lassen Sie sich nicht beeindrucken, sagen Sie sich aufmunternde Anweisungen und wenden Sie Routinen an, wie sie weiter unten geschildert werden.
Ein anderes Beispiel ist der Eiskunstläufer Stefan Lindemann, der nach einer Medaille bei den Weltmeisterschaften und bei den Europameisterschaften einen deutlichen Leistungsabfall in nachfolgenden Wettkämpfen zeigte und enttäuschend weit hinter den Erwartungen bei der Olympiade 2006 zurück blieb. Nach eigener Aussage hatte er Angst vor seinen eigenen Erwartungen. Diese Erwartungen scheinen seine Aufmerksamkeit mehr auf sich selbst und seine Bewegungen zu gelenkt zu haben, als für eine optimale Ausführung gut ist. Er dachte dadurch sehr darüber nach, wie er Sprünge ansetzen und wie er laufen muss.
Ein Beispiel für Versagen unter Druck stellt das Daviscup-Spiel von Michael Stich beim Stand der beiden Mannschaften von 2:2 dar. Das Einzel von Michael Stich musste die Entscheidung bringen. Zunächst führte der Deutsche nach Sätzen und es sah alles nach einem Sieg aus. Dann begannen die Zuschauer systematisch zu stören. Stich geriet zunehmend nicht nur unter Druck, sondern zeigte auch deutliche Ärgerreaktionen. Schließlich wurde deutlich, dass er den Faden verlor und seine Aufmerksamkeit nicht mehr optimal auf das Spiel richten konnte. Das Spiel endete im fünften Satz mit einem Doppelfehler von Michael Stich und dadurch mit einer Niederlage der deutschen Mannschaft. Was kann man gegen Choking tun? Das hängt davon ab, welche Ursache für das Choking überwiegt.
Bei der Aufmerksamkeitsablenkung ist die Anwendung von Vorhandlungsroutinen sinnvoll. Dabei handelt es sich darum, dass Athleten lernen, vor Handlungs- bzw. Bewegungsausführung regelmäßig eine gedankliche oder motorische Routine durchzuführen. Beispiele: Vor dem Aufschlag, dem Freiwurf usw. den Ball auf den Boden prellen; vor dem Elfmeterschuss eine ermutigende Bemerkung machen (los, rein); vor dem Return im Tennis eine Routineschleife durchlaufen, die darin besteht, nach Beendigung des Ballwechsels zunächst zum Platzende zu gehen, kurz zu entspannen, den Blick auf den Schlägerkopf zu richten, eine ermutigende Selbstinstruktion zu geben und sich dann zurück zur Grundlinie zu begeben bzw. sich für den Aufschlag oder den Return zu positionieren und darauf zu konzentrieren.
Was kann man tun, wenn man unter Druck zu einer erhöhten Selbstaufmerksamkeit neigt und diese den Leistungsabfall verursacht? Welche Methoden sind da sinnvoll? Bei erhöhter Selbstaufmerksamkeit wird davon ausgegangen, dass wahrgenommener Druck zu einer erhöhten Misserfolgsangst führt. Diese wiederum führt dazu, dass die Aufmerksamkeit auf mögliche Fehler gerichtet wird, die unbedingt vermieden werden sollen. Nach dem ersten Aufschlag darf kein Doppelfehler folgen. „Bloß kein Doppelfehler“ führt dazu, dass Vermeidungshandlungen einsetzen, die die übliche Handlungskette beim Aufschlag unterbrechen und damit die Ausführung stören. Hinzu kommt, dass wahrgenommener Druck auch die physiologische Erregtheit erhöht, was dann subjektiv als Nervosität empfunden wird und erhöhte Selbstaufmerksamkeit verursacht. Wie kann ich nun verhindern, dass die normalerweise automatisierte Bewegung plötzlich nicht mehr klappt, weil ich mich zu bewusst auf ihre Ausführung konzentriere?
Was ist zu tun? Zum einen kann auch hier das Training von Drucksituationen sinnvoll sein, etwa indem im Training Wettkampfdruck erzeugt wird oder plötzliche kritische Situationen geübt werden (z. B. Tiebreak; Anwesenheit wichtiger Beobachter). Auch sollten Athletinnen und Athleten lernen, eine Kurzentspannung im Wettkampf anwenden zu können, beispielsweise Atementspannung oder eine kognitive Entspannungsroutine (z. B. Selbstinstruktion „ganz ruhig“). Zum zweiten können Selbstinstruktionen helfen, die die automatisierte Bewegung unterstützen, etwa Rhythmusinstruktionen (hop-hit; hepp-hepp). Und zum dritten können Selbstinstruktionen Verwendung finden, die positive Gedanken und damit Zuversicht vermitteln. Dadurch bleibt kein Raum für leistungsabträgliche Gedanken. Die Situation bleibt unter Kontrolle. Fazit : Vor Leistungsabfall unter Druck ist niemand gefeit. Je nach Sportart und Wettkampf kann dies auch durchaus als normale Begleiterscheinung gelten. Entscheidend ist, sich während des Wettkampfs wieder zu fangen. Einige Tipps dazu, wie man lernen kann, mit Druck umzugehen, wurden weiter oben gegeben. Prof. Dr. Dorothee Alfermann Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Prof. Dr. Dorothee Alfermann:
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Bilder: Steffi Schübeler, www.studio |
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