Schmerzbehandlung im Sport, Schmerzfrei laufen - Läuferverletzungen
Orthopädische Aspekte des Laufsports
In den letzten Jahren erfreut sich der Laufsport nach einem Boom am Ende der neunziger und Anfang 2000 einer stabilen Beliebtheit. Am Beispiel der Teilnehmerzahlen der City-Marathonläufe kann dies abgelesen werden. Der erste offizielle Marathonlauf in der Geschichte des Sports fand am 10.April 1896 statt. Der griechische Schafhirte Spiridon Louis erreichte nach 2:58:50 Stunden als erster von 18 „mutigen Teilnehmer“ den Zielstrich im Panathenischen Stadion in Athen. Die Streckenlänge betrug jedoch nur knapp 40 Kilometer.
Inzwischen absolvieren in Berlin, Köln, Hamburg, dem Ruhrgebiet, München, Mainz und vielen anderen Städten rund um den Globus zwischen 10 und 40.000 Menschen die volle Marathondistanz.
Die Orthopädie beschäftigt sich hinsichtlich des Laufens meist mit chronischen Überlastungsschäden des Bewegungsapparates. Im Vergleich zu anderen Sportarten wie Fußball oder Skifahren treten im Laufbereich wesentlich seltener akute Verletzungen auf. Die typischen Läuferverletzungen entwickeln sich meist schleichend über einen längeren Zeitraum, werden oft verharmlost und können im Verlauf zu einer akuten Schmerzsymptomatik führen. Dieser Umstand trifft auf ca. 30 % aller Läufer mit einer Trainingsdauer von 2 Jahren zu. Am häufigsten ist die untere Extremität betroffen, wobei Schmerzen im Bereich des Kniegelenkes, der Sehen und Sehnenansätze oder Knochenhautschmerzen bis zu Ermüdungsbrüchen vorkommen können.
Darüber hinaus werden in jüngster Zeit zunehmend Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule beobachtet. Im Verletzungsfall sollte die Ursache gefunden und abgeschaltet werden, um im Anschluss eine gezielte Therapie einzuleiten. Wichtiger als jede Therapie ist jedoch die Verletzungsvermeidung (Prävention). Bereits vor Trainingsbeginn können wesentliche Defizite des Bewegungsapparates durch eine genaue sportorthopädische Untersuchung festgestellt werden, um das Risiko einer Läuferverletzung zu senken.
Vermeidung von Überlastungsschäden
Mit jedem Laufschritt muss das 3- bis 4-fache des Körpergewichtes abgefangen werden. Dies bedeutet für einen 70?kg schweren Läufer 210 bis 280 kg pro Laufschritt. Übertragen auf einen Marathon werden somit ca. 5.000 bis 7.000 Tonnen abgefangen. Aufgrund dieser hohen Belastungen ist es wichtig, vor Trainingsbeginn einen Status
des Bewegungsapparates durch einen Sportorthopäden erstellen zu lassen. Dabei wird die Körperstatik mit Wirbelsäulenform, Beckenposition, Beinachse sowie muskulären Dysbalancen (gestörtes Muskelspiel zur Gelenkkontrolle) beurteilt. Ferner werden die Gelenke auf Beweglichkeit, Stabilität und klinische Auffälligkeiten genau untersucht. Die Ergebnisse der gesamten Untersuchung geben bereits erste wichtige Hinweise zur Verletzungsvermeidung (z. B. Ausgleich muskulärer Dysbalancen) und für die individuelle Schuhwahl. Als Ergänzung zur Untersuchung in Ruhe ist zusätzlich eine dynamische Untersuchung optimal. Hierbei lassen sich die Achsstabilität der Beine und das Abrollverhalten der Füße mit und ohne Schuhe genau beobachten. Auf diese Weise
kann beispielsweise ein verstärktes Einknicken des Fußes nach innen (Überpronation) oder nach außen (Übersupination) früh erkannt und verhindert werden. Werden solche Fehlbelastungen über längere Zeit ignoriert, können Überlastungsschäden, wie Schmerzen um Knie- und Fußbereich, Achillessehnenreizungen oder Schleimbeutelreizungen (Knie- und Hüftregion) auftreten.
Neben der orthopädischen Vorsorge stellt die Trainingssteuerung die wichtigste Präventivmaßnahme dar. In zahlreichen Untersuchungen konnte dargestellt werden, dass eine abrupte Steigerung der gelaufenen Trainingskilometer pro Woche häufig Überlastungsschäden nach sich zieht. Es konnte nachgewiesen werden, dass das Herz- Kreislaufsystem im Verhältnis zum Bewegungsapparat bedeutet schneller trainiert werden kann. Demzufolge kann sich ein gut Herz-/Kreislauf trainierter Läufer bezüglich der Belastbarkeit des Bewegungsapparates schnell überschätzen. Es konnte gezeigt werden, dass typische Läuferverletzungen entweder mit Einstieg in das Lauftraining oder nach 2 bis 3 Jahren auftraten. Neben der allgemeinen Beachtung der Trainingsbelastung-, Steigerung- und Intensität kommt dem Stabilitäts- und Flexibilitätstraining eine große Bedeutung zu.
Bereits vor dem Training oder Wettkampf können leichte Dehn- und Lockerungsübungen helfen, Verletzungen zu vermeiden. Mindestens zweimal pro Woche ist
ein gezieltes Rumpfstabilitätstraining Pflicht, um mögliche Fehlbelastungen vor allem im Bereich der WS zu vermeiden.
Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Jens Enneper:
http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/6994
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