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Sehen im Sport (Wintersport) - Gute Sicht auf der Piste

Gutes Sehen ist Voraussetzung für sicheres und erfolgreiches ­Skifahren

Die Bedeutung guten Sehens für das normale Alltagsleben und insbesondere bei der ­Ausführung von sportlichen Bewegungs­abläufen wird jedem nachvollziehbar, der ­versucht, z.B. eine Laufstrecke oder einen Hindernisparcours mit geschlossenen Augen zu bewältigen. Zahlreiche Outdoor-Sport­arten, wie z.B. Skifahren, Inline-Skating oder Radfahren, sind ohne Kontrolle durch das Sehsystem (Beobachtung der Fahr­strecke/-spur, Erkennen von Gefahrenstellen und -situationen etc.) gar nicht oder nur sehr eingeschränkt auszuüben.

Circa 90?% aller Umwelteindrücke werden über die Augen aufgenommen. Das Sehsystem ist somit das dominante ­Sinnessystem des Menschen. Aber welche Aufgaben hat die visuelle Wahrnehmung beim Sport? Die visuelle Wahrnehmung dient beim Sport zur Orientierung im Raum, zur ­Antizipation (d. h. zum „vorausschauenden“ Erkennen z.?B. von Gefahrensituationen) und Erfassung von Fremdbewegungen, zur Kontrolle der Eigenbewegung sowie zur Bewegungsbeurteilung [3]. Der Einfluss der Sehleistung – auch der des peripheren Sehens – auf die Qualität der Gleichgewichts- und Bewegungsregulation liefert ein weiteres Argument, mit optimaler Sehleistung „an den Start“ zu gehen.

Im „Blindflug“ über die Pisten...

Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert (wenn nicht sogar erschreckend), dass ca. 30?% aller Sporttreibenden ihren Sport fehlsichtig, also ohne eigentlich erforderliche (Sport-)Brille oder Kontaktlinsen, ausüben. Dies gilt auch für den Skisport [1, 2]. Zum Teil wissen diese Sportler gar nicht, dass ihre ­Sehschärfe unzureichend ist. Derartige Fehlsichtigkeiten ­entwickeln sich oft über Jahre hinweg und werden von den Betroffenen häufig erst sehr spät erkannt bzw. auch gerne verdrängt („Ich sehe doch ganz gut...“). Wahrnehmung ist eben subjektiv. Oft liegt der letzte Sehtest bzw. Augenarzt­besuch Jahre zurück, weil die Bedeutung „Guten Sehens“ im Vergleich zu anderen Körperfunktionen, z.?B. der des Herzkreislaufsystems, unterschätzt wird. Und so werden ­vorhandene Defizite gar nicht erkannt bzw. oft erst spät diagnostiziert.
Analysen der Skiunfallzahlen der Auswertungsstelle für Skiunfälle (ASU-Ski) der ARAG Sportversicherung zeigen, dass ca. 80?% der Stürze ohne Fremdbeteiligung auf ­„Seh-“ und „Wahrnehmungsfehler“ oder Unaufmerksamkeit – verbunden mit einem Fahrfehler – zurückgeführt werden können [2]. Dies verwundert nicht, denn plötzlich wechselnde Schnee- oder Lichtverhältnisse sowie kontrastarme Sichtbedingungen (wie z.?B. bei Nebel, bei Schneefall oder in der Dämmerung) stellen sehr hohe Anforderungen an die visuelle Leistungs­fähigkeit und die Aufmerksamkeit. Neben einer sicheren Fahrtechnik ist deshalb gutes Sehen beim Skifahren eine wichtige Voraussetzung, um frühzeitig Gefahrenstellen und -situationen zu erkennen und Fahrfehler zu vermeiden [1].
Konsequenz kann also nur sein, dass Skifahrer(innen) – und nicht nur die! – schon aus unfallprophylaktischen Gründen ­regelmäßig ihre Sehleistung beim Augenarzt oder Augen­optiker überprüfen lassen sollten, damit frühzeitig Defizite erkannt und ggf. mit (Sport-)Brille oder Kontaktlinsen ­korrigiert werden können.
Eine verordnete und somit notwendige Sehhilfe muss dann natürlich auch getragen werden. Für den Sport müssen ­sporttaugliche Brillen oder Kontaktlinsen verwendet werden. Die Alltagsbrille ist für den (Ski-)Sport ungeeignet!

Die Sportbrille – ein wesentliches Element der Sportausrüstung!

Aber auch der „Normalsichtige“ kann speziell in den ­Outdoor-Sportarten seine Sehleistung optimieren: So gehört z.?B. beim Skifahren oder Snowboarden (aber auch beim Radfahren oder Inline-Skaten) eine spezielle Sportbrille ganz selbstverständlich zur Sportausrüstung! Die Sportbrille schützt die Augen z.?B. vor Fahrtwind, Kälte, Fremdkörpern wie Fliegen etc. aber auch vor schädigendem UV-Licht. Damit die Sportbrille bei einem möglichen Sturz nicht selber zur Verletzungsursache wird, muss sie bruchsicher, an kritischen Stellen abgepolstert und mit Sicherheitsglas oder besser Polycarbonat-Scheiben ausgestattet sein (möglichst verzerrungsfreie, entspiegelte Kunststoffgläser). Sie sollte das Gesichts- und Blickfeld ­möglichst wenig einschränken und ausreichende Belüftung gewährleisten. Sie muss bequem sitzen und anatomisch anpassbar sein.
Beeinträchtigungen der Sehleistung können in Freiluftsportarten wie z.?B. dem Skifahren aber auch durch ­„Blendung“, z.?B. durch extrem helles Sonnenlicht, verursacht werden.
Die lichtabsorbierenden Gläser der Sportbrille schützen vor Blendung. Dabei ist aber zu beachten, dass der Blendschutz, d.?h. der Absorptionsgrad der Gläser, den Lichtverhältnissen angepasst wird. Zu dunkle, stark Licht absorbierende Brillen können z.?B. bei starker Bewölkung, bei Wald-Durchfahrten oder in der Dämmerung auch die Sehleistung beeinträchtigen (lichtdurchlässigere Wechselgläser oder ein „Klarglas“ als ­Alternative verwenden).

Bei ungünstigen, kontrastarmen Sichtverhältnissen (hoher Blaulichtanteil, Nebel, Dämmerung, diffuses Licht etc.) ­können sog. „Blueattenuator“ (Blauabschwächer; meist gelbe bzw. gelb-orange Gläser) die Wahrnehmungsleistung ­verbessern, da sie den – unter den o.?g. Bedingungen sehr ­hohen – Blauanteil des Lichtes („Streulicht“) reduzieren. Blueattenuator wirken im Schnee Kontrast verstärkend [4, 5].
Das optische System des Auges zeigt eine gewaltige ­chromatische Aberration. Jede Farbe hat ihren eigenen Focus: kurzwelliges blaues Licht wird im dioptrischen Apparat ­
stärker gebrochen als langwelliges rotes Licht, d.?h. Blau wird vor der Netzhaut fokussiert und Rot dahinter. Der ­Unterschied zwischen Rot und Blau beträgt bis zu
ca. 3 Dioptrien [5]. Normalerweise wird auf Gelb akkommodiert („scharf gestellt“). Wenn ein weißes Objekt (z.?B. die Schneeoberfläche) anvisiert wird, dann breitet sich zusätzlich ein „blauer Schleier“ auf der Netzhaut aus und setzt den ­Kontrast herab.
Sogenannte „Blueblocker“ (Kantenfilter), die den Blauanteil des Spektrums vollständig eliminieren, sind – trotz ihrer kontraststeigernden Wirkung – für den Sport aber nicht zu ­empfehlen, da das visuelle System offensichtlich etwas ­Blauinformation, besonders im Peripheren Sehen, benötigt. Das Periphere Sehen ist gerade im Sport sehr wichtig, z.?B.
für die Orientierung im Raum, die Gleichgewichtsregulation und die Bewegungswahrnehmung.

Neben dem rein physikalischen Effekt der Streulicht­reduzierung wird die subjektiv erlebte „kontraststeigernde“ bzw. aufhellende Wirkung aber auch dadurch verursacht, dass die o. g. Filter die Wahrnehmung in den „Gelb-Bereich“ des Wellenlängenspektrums verlagern. In diesem – normalerweise für das Tagessehen typischen – Bereich ist das Farbunter­scheidungsvermögen besonders hoch. Das Gehirn verbindet mit einem hohen Gelbanteil „erfahrungsgemäß“ optimale Wahrnehmungsbedingungen und Helligkeit. Aus der Farbverschiebung durch den Filter resultiert somit auch der ­subjektive Eindruck einer „Aufhellung“ und „Kontrastver­stärkung“, obwohl aufgrund der Lichtabsorption durch den Filter (im Vergleich ohne Filterglas) etwas weniger Licht auf die Netzhaut gelangt.
Viele Sportbrillen können inzwischen für unterschiedliche Lichtverhältnisse mit entsprechenden Wechselgläsern/­-scheiben ausgestattet werden (ggf. Alternativ-Sportbrillen bereithalten). Und auch bei den sog. „Schneebrillen“ (geschlossene Skibrillen) gibt es vielfältige Scheibenvariationen.
Dem Outdoor-Sportler steht eine breite Palette an unterschiedlichen Sportbrillen zur Verfügung. Für die Auswahl ­einer (funktionellen) Sportbrille sollten neben den sportart-spezifischen Anforderungen auch die optische Qualität der Gläser, wahrnehmungsphysiologische Kriterien (möglichst geringe Gesichtsfeldeinschränkung, optimaler Fahrtwindschutz, Farbfiltereffekt etc.) sowie Passform und Sitz ­berücksichtigt werden. Modische Gesichtspunkte sollten ­zumindest zweitrangig sein.
Bei fehlsichtigen Sportlern gehören die optisch korrigierende Sportbrille bzw. die (Sport-)Kontaktlinsen, letztere bei ­Freiluftsportarten wie Skifahren oder Radfahren in Kombination mit einer Sportbrille (UV-Schutz), so selbstverständlich zur Ausrüstung wie Sportschuhe, Sportbekleidung oder ­Protektoren (z.?B. beim Snowboarden). Bei Augenoptikern, die Sportbrillen (oft auch Schneebrillen) anbieten, gibt es meist zahlreiche Modelle, die auch mit optischer Korrektur ausgestattet werden können.
Eine Korrektur durch Kontaktlinsen hat speziell beim Sport eine Reihe von Vorteilen: Im Gegensatz zur Sportbrille schränken sie das Gesichts- und Blickfeld nicht ein und ­ermöglichen somit ein besseres peripheres Sehen.
Kontaktlinsen folgen jeder Augenbewegung und liefern ein reales Bild der Umwelt (durch die Sportbrille wird das Bild vergrößert oder verkleinert). Bei der Verwendung von ­Kontaktlinsen beim Outdoor-Sport – also auch beim Ski­fahren oder Snowboarden – ist aber dennoch immer eine Kombination mit einer Sport(sonnen)brille notwendig, da die (seitlich geschlossene) Sportbrille im Gegensatz zur Kontaktlinse das gesamte Auge vor UV-Licht (und Fahrtwind) schützt. Kontaktlinsenträger sollten generell regelmäßig ihren Augenarzt zu Kontrolluntersuchungen konsultieren.

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Gernot Jendrusch:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/7024

Ausgabe MSN 1 / 2007

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2007.
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