Prävention
Dr. med. W. O. Schüler, ARCUS Sportklinik
Auch wenn die Fortschritte der Medizin unübersehbar sind, viele Erkrankungen zeigen häufig keine oder nur geringe Symptome. Hier setzt die Präventionsmedizin an: Risikofaktoren erkennen und dort
wo noch keine oder unklare Symptome vorhanden sind mit der Behandlung ansetzen, um die Erhaltung der Gesundheit, der Vitalität und der Lebensqualität in allen Lebensabschnitten und Lebensbereichen sicherzustellen.
Wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen haben erkannt, dass die Gesundheit ihrer Mitarbeiter ein wesentlicher Faktor ihres Erfolges ist.
Eine Studie von Kienbaum Management Consultants hat schon 2003* ergeben (*vgl. manager magazin 07.02.2003), dass in deutschen Unternehmen pro Jahr etwa 44 Mrd. Euro durch krankheitsbedingte Fehlzeiten entstehen.
Wie viel Energie die täglichen Aufgaben abverlangen fällt erst dann auf, wenn die Speicher erschöpft sind. Wenn diese Kraftressourcen zu Ende gehen sendet der Körper Signale. Oft ist es dann schon zu spät, um gravierenden Konsequenzen entgegenzuwirken.
Die Zahl der Firmen, die ihren Mitarbeitern individuelle Check-ups ermöglichen, steigt seit Jahren deutlich an. Sie haben festgestellt, dass diese „Specials“ nicht nur die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter stärken. Auch die Bindung an das Unternehmen, die Effizienz und die Produktivität erhöhen sich spürbar.
Aber auch Privatpersonen haben die Bedeutung und Möglichkeiten der Präventionsmedizin erkannt. „Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“, das waren die Worte Arthur Schopenhauers. Diese Aussage war sicherlich nicht der Grund für seine Bekanntheit. Durch den Einsatz modernster und schonender Verfahren können Prozesse im Organismus erkannt werden, welche den konventionellen Methoden verborgen bleiben. So kann die strahlenfreie Kernspintomographie des Herzens oder des Gefäßsystems frühe Veränderungen aufzeigen, wie z.B. kleinste „stumme“ Narben oder entzündliche Veränderungen am Herzmuskel.
Darüber hinaus kann die Durchblutung des Herzens gemessen werden. Die hochentwickelte Computertomographie ist zwar eine Röntgenuntersuchung, kann aber ohne Herzkatheterdiagnostik die Herzkranzgefäße darstellen.
Ausgangspunkt jeglicher Präventionsdiagnostik sollte aber immer das Gespräch mit dem Patienten zur „ist“-Analyse sein, gefolgt von einer umfassenden Diagnostik.
Diagnostik
Die Diagnostik sollte folgende Untersuchungen beinhalten, um ausreichende Informationen zu erhalten:
1. Erhebung des körperlichen Status
2. Herz-Kreislauf: EKG als Ruheanalyse und mit zusätzlicher ergometrischer Belastung (Laufband oder Fahrrad)
Echokardiographie (Ultraschall des Herzens)
Duplexsonographie der Carotiden (Analyse der Halsschlagader)
3.Lungenfunktionsdiagnostik durch Bodyplethysmographie
4. Ausführliche Laboruntersuchung
5. Orthopädische Untersuchung
6. Leistungsdiagnostik durch Ergometrie (Laufband oder Fahrrad) ggf. inkl. Laktatbestimmung
7. Auf Wunsch Hautcheck um frühzeitig durch Sonnenexposition hervorgerufene Hautveränderungen zu erkennen
8. Back-Check (computergestützte Rückendiagnostik)
9. Computertomographie- bzw. Kernspindiagnostik bei Bedarf
Herz- und Gefäßmedizin
Jede Erkrankung am Herzen oder den Gefäßen, jeder Infarkt hat eine Vorgeschichte. Ein Geschichte, in die jeder Einzelne frühzeitig eingreifen kann. Voraussetzung: Sich bewusst machen, was eine derartige Erkrankung an Einbußen in der Lebensqualität nach sich ziehen kann und die Nutzung der heutigen Diagnosemöglichkeiten.
Die Echokardiographie beispielsweise gibt eine differenzierte Darstellung von Herzgröße, Zustand und Funktion der Herzklappen, Wandstärke verschiedener Herzteile sowie Auswurfleistung und Bewegungsablauf des Herzens. Sie ist schmerzfrei und völlig unschädlich.
Bewegungsmedizin (Orthopädie)
Die täglichen Anforderungen, langes Sitzen oder Stehen hinterlassen Spuren an unserem Körper. Dazu kommen unter Umständen familiäre Vorbelastungen oder frühere Fehlhaltungen. Ein Grund warum Beeinträchtigungen, Fehlstellungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparates seit Jahren zu den Zivilisationskrankheiten gehören.
Doch auch dann, wenn noch keine Rückenschmerzen oder Haltungsschäden vorhanden sind, lassen sich vom Fachmediziner mögliche Spätfolgen erkennen.
Hautmedizin (Dermatologie)
Zu den tückischsten Erkrankungen der heutigen Zeit gehört der schwarze Hautkrebs. Durch völlige Beschwerdefreiheit wird er heute immer noch in den meisten Fällen viel zu spät erkannt. Gerade hier ist die Diagnose im ganz frühen Stadium von entscheidender Bedeutung. Die körperliche Untersuchung wird ergänzt durch den Einsatz eines Auflichtmikroskops.
Physiotherapie
Dort wo Bewegung fehlt, kommt es langfristig zu Dysbalancen und muskulären Defiziten. Die Folgen sind facettenreich und meist schmerzhaft. Durch die Messung von Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit können Dysbalancen und Defizite erkannt werden. Auf Grundlage eines einmal erfassten Status können Veränderungen im Bereich von Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit deutlich gemacht werden.
Labormedizin
In der Labormedizin sollten einige Blut¬untersuchungen zur Diagnostik gehören, denn diese sind eine wichtige Grundlage für die weiterführende Diagnostik. Auf Wunsch oder bei Bedarf kann dieses „Basislabor“ um Hormonanalysen, Entzündungsparameter, Gensonden oder Tumormarker ergänzt werden.
Sportmedizin
Egal ob Marathonläufer oder Freizeitsportler, es passiert oft in Sekunden:
das akute Herzversagen oder die akute Verletzung. Während professionelle Marathonläufer bereits vielfach ärztliche Beratung und Betreuung nutzen, denken viele ambitionierte Freizeitsportler zu selten daran. Ein Grund wieso jährlich 900 Deutsche ohne Vor- warnung an plötzlichem Herztod sterben.
Denn auch wenn Marathonläufer und Freizeitsportler eine andere Zielsetzung haben, die Ausgangsbedingungen sind die gleichen: Das Training sollte zu den individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen passen, um Risiken aus dem Weg zu gehen.
Leistungssport:
Der Sport-Cardio-Check mit Ultraschall, Ergometrie und Ergospirometrie - wahlweise auf dem Fahrrad oder Laufband – u. U. mit Laktatdiagnostik gibt Rückschlüsse auf die aktuelle Leistungsfähigkeit und Stoffwechselsituation unter Belastungsbedingungen.
Dr. med. W. O. Schüler
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http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/8549
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