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Unfälle und Sportverletzungen im alpinen Skisport - Knieverletzungen

Knieverletzungen

Allgemeine Zahlen zu Skiunfällen

Skifahren ist eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen. Es kann davon ausgegangen werden, dass jedes Jahr etwa 4,2 Mio. auf diese Weise körperlich aktiv sind. Leider ist das
Skifahren – wie andere Sportarten auch – mit einem gewissen Verletzungsrisiko verbunden. Seit der Saison 1979/80 werden deshalb die Mitglieder der DSV aktiv (www.ski-online.de), die einen Skiunfall melden, zu diesem befragt. Die über diesen langen Zeitraum kontinuierlich erhobenen Daten ermöglichen es nicht nur, Unfall- und Verletzungs­ursachen differenziert zu analysieren, sondern erlauben es außerdem, langfristige Trends zu erkennen.
In der zuletzt ausgewerteten Saison 2005/06 verletzten sich hochgerechnet etwa 55.000 Skifahrer (also etwa 1,3?% aller Skifahrer) auf der Piste so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden
mussten. Eine stationäre Aufnahme war bei ca. 7.600 Skifahrern zur Behandlung der erlittenen Verletzung(en) erforderlich.

Verletzte Körperregionen

Stellt man das Verletzungsrisiko für die verschiedenen Körperregionen dar, zeigt sich, dass noch Anfang der 1990er Jahre pro Saison etwa sechs von 1000 Ski­­fahrern eine Knieverletzung erlitten. Dieser Wert ist seitdem um etwa 50?% zurückgegangen. Auch das Risiko von Verletzungen im Bereich Unterschenkel/Sprunggelenk/Fuß ist seit Beginn der Statistik deutlich gesunken und liegt seit über zehn Jahren bei weniger als 1,5 je 1000 Skifahrer.
Im Gegensatz dazu war beim Risiko für Verletzungen in den Bereichen Schulter/Oberarm und Rumpf/Hüfte/Oberschenkel etwa ab der Saison 1994/95 ein aufsteigender Trend zu beobachten. Ob dieser auf härtere Pisten (z.?B. durch technischen Schnee und/oder veränderte Präparation), höheres Durchschnittsalter (und damit erhöhtes Verletzungsrisiko bei Stürzen) der untersuchten Skifahrer oder die Verwendung von Carvingski zurückzuführen ist, lässt sich nicht endgültig klären.
Kopfverletzungen befinden sich schon seit Anfang der 1990er Jahre auf etwa gleich bleibendem Niveau. Es besteht die Hoffnung, dass das vermehrte ­Tragen von Skihelmen kompensierend wirken wird.
Die folgende Abbildung zeigt neben den verletzten Körperregionen für alle Skifahrer (männlich und weiblich) auch die Einzelwerte für beide Geschlechter in der Saison 2005/06.
Auffällig ist, dass Anteil der Knieverletzungen bei den Frauen mit 40?% deutlich größer ist als bei den Männern, bei denen diese etwa ein Viertel der Verletzungen ausmachen. Dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern kann auch bei anderen Sportarten (z.?B. im Handball, Fußball und Basketball) beobachtet werden. Mögliche Erklärungsansätze für dieses Phänomen sind u.a.:

-die geringere muskuläre Stabilisierung bei den weiblichen Sportlern
-unterschiedliche Bewegungsabläufe, deren Folgen z.T. durch eine bei Frauen häufiger und ausgeprägter vorkommende Valgus-Stellung im Knie (sog. X-Beinstellung) zusätzlich
verstärkt werden

-geringere Belastbarkeit der gelenkstabilisierenden BänderGerade Knieverletzungen bedeuten für den einzelnen Sportler häufig neben einer langen Sportpause und Arbeits­unfähigkeit auch die Notwendigkeit einer Operation.

Knieverletzungen

Betrachtet man die Entwicklung des Risikos für Knieverletzungen, so fällt auf, dass sich seit der Saison 1999/2000 ein langsamer aber stetiger Rückgang verzeichnen lässt.
Es ist anzunehmen, dass dieser Rückgang auf die vermehrte und in­zwischen fast ausschließliche Nutzung von ­Carving-Skiern zurückzuführen ist (aktuell geben mehr als 85?% der ver­letzten Mitglieder der DSV aktiv an, Carving-Ski genutzt zu haben).
Folgende Eigenschaften der Carving-Ski werden u.a. für den Rückgang der Knieverletzungen verantwortlich gemacht:

-das bessere Fahrverhalten (u.a. bessere Dreheigenschaften), das vor allem bei Skifahrern, die nicht „carven“, das Verletzungsrisiko reduziert

-die durch die geringere Länge der Ski kleineren Hebelkräfte

Allerdings hatte das veränderte Material offensichtlich kaum etwas daran ge­ändert, dass weibliche Skifahrer nach wie vor ein deutlich höheres Risiko als männliche haben, eine Knieverletzung zu erleiden. Im Mittel ergab sich ein um knapp 60?% erhöhtes Risiko für Frauen.
Diese Zahlen machen deutlich, dass die Entwicklung präventiv wirksamer Maßnahmen zur Reduktion von Knieverletzungen gerade – aber nicht nur – bei Frauen weiterhin von großer Bedeutung sein wird.
Da die Zahl der Knieverletzungen saisonalen Schwankungen unterworfen ist, basieren für die im Folgenden dar­gestellten Auswertungen auf den Zahlen der Saisons 2002/03 bis 2004/05. Berücksichtigt wurden ausschließlich Pistenunfälle von Alpin-Skifahrern.
Unabhängig vom Geschlecht gaben etwa 90?% der am Knie verletzten Skifahrer an, dass weder eine andere Person am Unfall beteiligt war noch eine
andere Person den Unfall verschuldete.
Auch bei den Unfallarten zeigten sich keine größeren Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Stürze während der Fahrt ohne Fremdeinwirkung durch
andere Personen waren verantwortlich für etwa 80?% der Knieverletzungen. Mit weitem Abstand folgten Kollisionen mit anderen Personen sowie Stauchungs­verletzungen ohne Sturz.
Festzuhalten bleibt weiterhin, dass etwa 75?% der am Knie verletzten Skifahrer „eigenverantwortliche Ursachen“ wie Fahrfehler, Unaufmerksamkeit oder zu hohe Geschwindigkeit als Unfall­ursache angeben. Etwa 15?% machen widrige äußere Umstände wie schlechte Sicht- oder Schneeverhältnisse verantwortlich. Obwohl diese Angaben von der subjektiven Einschätzung der ­Sportler abhängig sind, geben sie doch einen Hinweis darauf, wo präventive Maßnahmen ansetzen müssen, die zum Ziel haben, die Zahl der Kniever­letzungen weiter zu reduzieren.
Bei den eigentlichen Ursachen für Knieverletzungen, d.?h. den zugrunde liegenden Mechanismen ergab sich ein weniger einheitliches Bild. Bei beiden Geschlechtern verursachten zwar Dreh-/Frontalstürze fast die Hälfte der Verletzungen, jedoch gaben die weiblichen Skifahrer zu 22?% an, das Nichtauslösen der Bindung sei für Ihre Knieverletzung verantwortlich, wohingegen dies bei den Männern lediglich 16?% waren. Da der Einstellungswert der Auslösebindung bestimmt, wann die Bindung auslöst, stellt sich bei diesen geschlechtsspezifischen Unterschieden die Frage, ob die Einstellwerte bei den weiblichen Skifahrern ausreichend an deren Voraus­setzungen angepasst werden.
Auch Stürze nach hinten waren bei weiblichen am Knie verletzten Skifahrern häufiger die Ursache der Verletzung als bei männlichen. Der Aufprall auf harten Untergrund hingegen wurde von den Männern häufiger als Verletzungsursache angegeben.

Prävention von Knieverletzungen

Obwohl das Risiko für Kniever­letzungen langfristig rückläufig ist, sollte die ­Entwicklung präventiver Maßnahmen zu deren Vermeidung weiterhin einen hohen Stellenwert haben. Außerdem können allgemeine Ansätze, wie z.?B. die angemessene Vorbereitung auf die
Skisaison durch eine spezielle Skig­ymnastik, verstärkt an individuelle Bedürfnisse bzw. Anforderungen spezieller Gruppen angepasst werden.
Da Knieverletzungen meist bei Stürzen ohne Fremdeinwirkung auftreten, besteht ein möglicher Präventionsansatz in der Reduktion des Sturzrisikos, bzw. darin, die Sturzfolgen möglichst gering zu halten. Dafür erscheint es sinnvoll, auch den „Blick über den Tellerrand“ des Skisports zu nutzen und von ­anderen Sportarten zu lernen. So gibt es gerade in den großen Ballspielen sensomotorische Trainingsprogramme, die teil­weise speziell auf die Bedürfnisse weiblicher Sportler abgestimmt wurden, da Frauen auch in diesen Sportarten ein deutlich erhöhtes Risiko für Kniever­letzungen haben.
Das Faltblatt „Unfallverhütung im ­alpinen Skisport – Teil 1: Vorbereitung auf den Skiwinter“ bietet Skifahrern Übungsbeispiele, mit deren Hilfe diese ihre sportartspezifische Koordination und Kraft verbessern und so Verletzungen vorbeugen können. Diese Übungszusammenstellung kann als Grundlage für die Entwicklung weiterer Maßnahmen dienen.

David Schulz

Stichwörter:
Knieverletzungen

Ausgabe MSN 2 / 2008

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 2 / 2008.

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