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Prof. Dr. Oliver Stoll
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Laufsport & Running - Runner's High / Sport und Depression
Laufsport & Running - Runner's High / Sport und DepressionEndogene Opiate, Psychologische und/oder Neurologische Mechanismen. Wie entsteht eigentlich Runner‘s High?Ein scheinbar unerschöpfliches Thema, immer wieder neu diskutiert und umstritten, ist das besonders in der Welt der Langstreckenläufer bekannte „Runner‘s High“. Viele Erklärungsversuche hat es schon gegeben, sowohl von physiologischer, als auch von psychologischer Seite. Außerdem existieren einige psychophysiologische Studien, die zur Klärung dieses Phänomens beizutragen versuchten.
Keine der vorhandenen Studien konnte jedoch eine definitive Lösung anbieten. Die Vielfalt der Forschungsansätze ist der Grund für verschiedenste Definitionen des Begriffes „Runner‘s High“. Für einige Forscher ist das Runner‘s High eine „euphorische Empfindung“, die dem Läufer ein gesteigertes Gefühl von Wohlbefinden vermittelt. Dabei steigt die Wahrnehmung der Natur und läßt den Läufer die Grenzen seines eigenen Körpers überschreiten.
Es ist bekannt, dass Epinephrin, wenn es in den Blutkreislauf gelangt ein „Kampf-/Flucht-Syndrom“ hervorruft. Um nun den sog. zweiten Wind zu erklären, wurde hypothetisiert, dass Langstreckenläufer während des Trainings eine niedrigere Bedrohungsschwelle entwickeln, um schneller in die Gunst des Katecholaminausstoßes zu gelangen. Weitere Untersuchungen bewiesen jedoch, dass Katecholaminanstieg und körperliche Belastung nicht immer zusammen auftraten. Die Biologen Pert und Snyder, 1973 konnten als erste Forscher bei Säugetieren Opiatrezeptoren im Gehirn lokalisieren. Diese Entdeckung gab der Erforschung des „Runner‘s High“ eine völlig neue Richtung. Auch beim Menschen wurden diese Opiatrezeptoren vermutet. Hugehs entdeckte 1975 das Enkephalin und Goldstein im selben Jahr das Endorphin, eine chemische Substanz mit Opiatcharakter, die schmerzlindernde Wirkung aufwies. Insgesamt existieren drei verschiedene Arten von endogenen Opiaten, die Enkephaline, die Endorphine und die Dynorphine. Bei ausdauernder sportlicher Belastung wurde vor allem das ß-Endorphin gemessen Man vermutete, dass diese endogenen Opiate für das Absinken der Schmerzempfindung bei Läufern während des Rennens verantwortlich waren und zu dem Zustand führten, den Pargman und Baker, 1980 erstmals „Runner‘s High“ nannten.
Außerdem bot die Endorphin-Theorie eine neue Möglichkeit der Erklärung des „Second Wind“. So wurde das ß-Endorphin nicht nur im Gehirn, sondern überall im Körper, wie auch z.?B. in der Schilddrüse gefunden. Chemisch betrachtet sind Endorphine dem Opium sehr ähnlich, allerdings um einiges stärker. Die Ausschüttung von ß-Endorphin verursacht weiterhin die Ausschüttung von Substanzen, die dem Kortison sehr ähnlich sind. Kortison hilft dem Körper bei der Umsetzung von Zucker in Energie. Die „Endorphin -Theorie“ wurde zum anderen von Untersuchungsergebnissen getragen, die mit dem Endorphin-Antagonisten Naloxon durchgeführt wurden.
Die erste psychophysiologische Studie brachte die „Endorphin-Theorie“ ins Wanken. Vor und nach einem Lauf wurde ein Befindlichkeitsfragebogen ausgefüllt. Des Weiteren wurden den Probanden nach dem Lauf und während der Befragung Naloxon injiziert. Die Post-Messungen ergaben eine signifikant Reduktionen auf den Skalen Ärger/Feindseligkeit und Depression. Eine Veränderung dieser Skalen hätte jedoch nach Naloxon-Injektion nicht auftreten dürfen
In zwei von uns kürzlich publizierten Studien konnten wir nachweisen, dass sogenannte „Flow-Effekte“ – das sind Zustände, die den Beschreibungen des Runner’s High sehr ähnlich sind – vor allen Dingen in bestimmten Belastungsintensitätszonen auftreten. Dabei spielt die sogenannte „OwnZone“ eine zentrale Rolle. Diese individuell zu bestimmende Belastungszone lässt sich auf der Basis der Herzfrequenzvariabilität (HRV) berechnen. Demnach befinden sich diejenigen Läufer eher im Flow, die in dieser „OwnZone“ laufen, verglichen mit Läufern, die bezogen auf die Belastungsintensität eher unter oder über dieser Zone laufen. Und diese Erkenntnis wiederum führt uns zu einer ganz neuen Theorie aus dem Schnittfeld von kognitiver Psychologie und Neurowissenschaft. Diese Theorie (Hypofrontalitätstheorie) geht davon aus, dass das Gehirn beim Laufen nicht etwa besser durchblutet wird als im Ruhezustand, sondern eher entgegen dieser Annahme mit seinen Ressourcen haushalten muss. Dies bedeutet, dass während intensiver, sportlicher Bewegung die Muskulatur sehr viel mehr Sauerstoff benötigt als andere Organe. Hier wird auch nicht das Gehirn ausgenommen. Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Prof. Dr. Oliver Stoll: http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/9376
Stichwörter:
Running
Sportpsychologie
Depressionen und Sport
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Ausgabe MSN 4 / 2007Der Autor:Weitere Artikel online lesen |

