Sport ist gesund ! Herzcheck
Das "Sportherz", was steckt dahinter ?
Unter diesem Motto entscheiden sich -erfreulicherweise immer mehr Menschen für regelmäßige körperliche Aktivitäten. Dies ist aus medizinischer Sicht – und aus kardio-logisch-sportmedizinischer Ein-schätzung noch mehr – eine sehr erfreuliche Entwicklung.
Es sollte allerdings zu Beginn, im Laufe des Trainings aber auch vor und nach Beendigung darauf geachtet werden, dass der Organismus und hier insbesondere das Herz-Kreislaufsystem und der Bewegungsapparat an die sich ändernden Belastungen adaptiert also angepasst werden.
Stellen Sie sich einen Unterschenkel vor, der eingegipst worden ist. Vielleicht haben Sie schon mal beobachtet, dass die Muskulatur nach einigen Wochen Gips sichtbar dünner geworden ist. Würde man jetzt sofort mit einer vorher gewohnten Belastung einsteigen, könnte der zwischenzeitlich atrophierte (geschrumpfte) Muskel Schaden nehmen, bis hin zu einem Muskelfaserriss.
Die andere Möglichkeit besteht ebenfalls, Stichwort Abtrainieren. Der stark überbeanspruchte oder vielleicht falsch trainierte Muskel, der plötzlich nicht mehr aktiviert wird.
Stoffwechselvorgänge, die sich abrupt ändern, stellen für unseren Organismus meist ein Problem dar, weswegen hier langsame Anpassungen der Umgebungsbedingungen und der Aktivitäten die Möglichkeit schaffen, einzelne Organsysteme und damit meist den Gesamtorganismus besser zu an die neue Situation anzupassen. Dies schützt nicht nur vor Schädigungen, sondern führt längerfristig auch zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit.
Hin und wieder hört man im medizinischen Kontext oder Sportlerumfeld den Satz: Der hat ein Sportherz! Einige Facetten eines Sportherzens und was sich hinter dem Begriff verbirgt, soll in diesem Artikel dargestellt werden. Gleich zu Beginn kann man klar formulieren: Die Erkenntnisse wachsen gerade aktuell in erheblichem Maße zu diesem Problem, da neue diagnostische Methoden wesentliche Beiträge leisten und Licht in ungeklärte Fragen bringen.
Der Begriff Sportherz ist nicht genau definiert. Betrachten wir das Organ unter verschiedenen Bedingungen:
Ein Sportler will seine Leistung steigern um konkurrenzfähig zu werden oder bleiben:
Das Herz passt sich den gestiegenen Anforderungen an und steigert seine Leistungskraft zunächst durch einen Anstieg der Herzfrequenz. Mit immer konsequenterem Training, vorausgesetzt es wird in den richtigen Bereichen und genau dosiert trainiert, nimmt das Herz und jetzt insbesondere der Herzmuskel an Dicke zu, er „hypertrophiert“. Dies ist ein vergleichbarer Prozess zum normalen Skelettmuskel, z.?B. dem Bizeps. Im Unterschied zur Skelettmuskulatur kann beim Herz die eigene Durchblutung nicht ohne Limitation mitwachsen, und somit werden bestimmte Abschnitte evtl. nicht ausreichend durchblutet, die Leistungsfähigkeit fällt wieder ab und die fehlende ausreichende Sauerstoffversorgung bringt sogar Gefahren mit sich. Das Herz kann eine Leistungssteigerung aber nicht nur über eine Kraftzunahme durch Verdickung des Muskels regeln, sondern auch durch eine Größenzunahme der Herzkammern erreichen. Grundlage ist das so genannte Herzzeitvolumen (HZV). Wieviel Volumen Sauerstoff (im Blut) kann pro Zeit¬einheit zu den Verbrauchsorganen (Skelettmuskel) gebracht werden?
An dieser Stelle möchte ich kurz auf das Thema Herzarbeit zu sprechen kommen.
Ein Herz muss pumpen und sich anschließend wieder entspannen, um eine Füllung zu gewährleisten. Diese Abläufe, Pumpen und Entspannen (Kontraktion und Relaxation) folgen einem zeitlichen Ablauf, genannt Systole für die Phase der Kontraktion und Diastole für die Relaxation. Zwei kurze Anmerkungen hierzu:
Früher dachte man, nur die Kontraktion sei ein energieverbrauchender Prozess, dies stimmt nicht. Interessanterweise benötigt auch die Entspannungsphase Energie, um genau diesen Ablauf harmonisch und abgestimmt zu gewährleisten.
Diese Relaxationsphase ist bei einer sportbedingten Veränderung des Herzmuskels intakt, während bei einer krankhaften Veränderung gerade diese Phase des Herzzyklus nicht mehr gut abläuft und im Sinne einer frühen Veränderung bereits erfasst werden kann, zu einem Zeitpunkt wo die andere Phase noch ungestört verläuft! (Hört sich kompliziert an, ist aber unter Einsatz der richtigen Methode gut zu erkennen)
Dies ist übrigens ähnlich bei den Durchblutungsstörungen des Herzens, der sogenannten Koronaren Herzerkrankung. Je sensitiver die Methode, desto eher erkennt man krankhafte Veränderungen.
Szenario:
Ein bislang nicht mehr aktiver Manager möchte nach erfolgreichen Berufsjahren, nach denen nicht nur sein Konto sondern auch sein Bauchumfang zugenommen haben, jetzt sowohl sich selbst aber auch seinen Kollegen beweisen, dass er auch auf anderen Gebieten erfolgreich ist. Ein Marathon muss her!
Ohne genaue Prüfung des Kreislaufsystems geht es los. Nach einigen Wochen Training merkt er plötzlich, dass keine weitere Verbesserung zu erzielen ist, er lässt sich kardiologisch untersuchen mit folgendem Ergebnis.
Schon bei der Eingangsuntersuchung fällt ein erhöhter Blutdruck auf. Auch bei der Belastungsuntersuchung fällt ein schnell ansteigender Blutdruck auf, der nach Belastungsende auch hoch bleibt. Im Ultraschall des Herzens zeigt sich eine Verdickung des Herzmuskels auf, weiteres Indiz für einen bereits offensichtlich seit längerem bestehenden und bislang vielleicht übersehenen hohen Blutdruckniveau. Dies bestätigt sich dann in der 24 Stunden Messung, insbesondere auch nachts. Ohne zunächst weiter gravierende diagnostische oder therapeutische Maßnahmen muss zunächst das zugrunde liegende Problem gelöst werden.
Das erhöhte Blutdruckniveau muss in normale Bereiche zurück, in Abhängigkeit der Gesamtkonstellation vielleicht sogar medikamentös.
Körperliches Training bewirkt Anpassungsvorgänge des Körpers, insbesondere des Herzens, dies umfasst meist alle vier Herzkammern. Diese Veränderung ist die Folge eines körperlichen Trainings, kann deshalb als ungefährlich eingestuft werden und muss von den Folgen einer strukturellen Veränderung des Muskels, z.B. bei Bluthochdruck oder endokrinologischen (hormonellen) Erkrankungen unterschieden werden. Dies ist, wie oben beschrieben, nicht immer auf den ersten (diagnostischen) Blick möglich.
Wichtig ist an dieser Stelle zu sagen, dass unterschiedliche Trainingsformen zu sehr verschiedenen Veränderungen am Zentralorgan führen können. Kraftsportarten mit einem Schwerpunkt im Bereich der statischen Belastung (z.?B. Gewichtheben/Bodybuilding) führen eher zu einer Muskelverdickung des Herzens, während ausdauerorientierte Sportarten eher zu einer Vergrößerung der Herzkammern führen. Beides ist eine Form der Herzvergrößerung als Reaktion des Organs auf vermehrte Druck- oder Volumenbelastung. Richtig kompliziert wird es aber, wenn man die Verfahren zur Erkennung der Veränderungen kritisch wertet.
Ein normales Ruhe EKG erkennt die Veränderungen erst zu einem sehr späten Zeitpunkt, auch ein Belastungs-EKG (Ergometer) kann hier nicht weiterhelfen. Der Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) kann als einfache und fast überall verfügbare Methode Veränderungen des Herzmuskels und der Dimensionen erkennen. Allerdings ist eine Analyse des Herzmuskels hinsichtlich seines strukturellen Aufbaus nicht möglich! Gerade die Unterscheidung einer krankhaften von einer sportbedingten Verdickung des Herzmuskels ist aber von entscheidender Bedeutung, insbesondere um entsprechende Leistungssteigerungen auszunutzen ohne ein relevantes Risiko einzugehen, denn eine krankhafte Veränderung des Herzmuskels (Hochdruck, angeborene Herzmuskelerkrankungen, Herzmuskelentzündungen) kann für den Sportler fatale Folgen haben!
Ein kurzer Ausflug in die Methodik:
Durch eine Analyse kann z.?B. die strahlenfreie Kernspintomographie feststellen, ob eine Verdickung des Herzmuskels bereits zu einer strukturellen Veränderung, einer Fibrose geführt hat, oder ob bereits eine stumme Narben¬bildung vorhanden ist, als Folge eines stumm abgelaufenen Myocardinfarktes. Es gibt in der Literatur genügend Beispiele von Marathonläufern, die auf dem Ergometer mühelos eine Belastung von 350?W erbracht haben, bei denen aber durch die Kernspintomographie ein stumm abgelaufener Infarkt diagnostiziert wurde, mit 45 Jahren! Bei intensiver körperlicher Belastung, z.B. einem Marathonlauf, besteht bei einem solchen Sportler ein hohes Risiko eines plötzlichen Leistungsabfalls bis hin zum plötzlichen Herztod.
Dr. med. W.O.Schüler
www.kardiologie-sportklinik.de
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http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/8549
Bild: Photocase, Jenzig 71
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