22.05.2012 16:39 - Über uns - Impressum & Kontakt - succidia AG - Partner
MSN-1-2010 > Leistungsdiagnostik : Ausdauer Stark

Leistungsdiagnostik : Ausdauer Stark

Nutzen der Leistungsdiagnostik beim Skilanglauf

In der Wintersaison findet alljährlich eine Vielzahl von Volksläufen im Skilanglauf statt. Mehrere tausend Sportler nehmen an den Veranstaltungen teil und stellen sich somit der Herausforderung langer Laufdistanzen. Bekannte Volksläufe sind der Vasalauf in Schweden von Sälen nach Mora (18.000 Teilnehmer) über 90 km, der Marcialonga im italienischen Fleimstal über 70 km, der König-Ludwig Lauf über 50 km in Oberammergau oder der Engadiner Skimarathon über 42 km in der Schweiz.

Wie bei Marathonläufen gehen hierbei nicht nur ergebnisorientierte Wettkämpfer an den Start, sondern auch viele ambitionierte Breitensportler mit dem Ziel des „Ankommens“. Die Sollzeit beim Vasalauf beträgt 12 Stunden, der Rekord liegt bei weniger als 4 Stunden. Die Vorbereitung auf einen derartigen Wettkampf erstreckt sich über Monate, um die Ausdauerfähigkeit zu erhalten. Sinnvoll zur Einschätzung der Leistungsfähigkeit ist eine leistungsdiagnostische Untersuchung, die für Skilangläufer als Laufbandergometrie durchgeführt wird. Bei Kaderathleten wird die Rollskiergometrie bevorzugt, um eine möglichst sportartspezifische Belastungsart zu haben.

Leistungsfähigkeit

Wichtige Kenngrößen in der Beurteilung der Leistungsfähigkeit sind Herzfrequenz, Laktatkonzentration und Sauerstoffaufnahme (VO2) im Maximum und auf definierten Belastungsstufen. Die VO2 ist ein Maß für die Energiebereitstellung durch die aerobe Oxidation. Der maximal erzielbare Wert (VO2 max.) ist abhängig von der Funktion des Atmungs- und des Herzkreislaufsystems, des Blutes und der Muskulatur. Mithilfe der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2 max.) kann die Belastungsverträglichkeit eines Sportlers abgeschätzt werden und es besteht ein mittlerer Zusammenhang zur maximal möglichen Leistung im Ausdauerbereich, z.B. bei Skilangläufern. Hier ist jedoch zu beachten, dass insbesondere auch technisch-koordinative Fähigkeiten, Schneequalität, Umgebungsbedingungen (z.B. sehr kalte Außentemperaturen) und nicht zuletzt das Material eine zusätzliche Rolle spielen und die Prognosestellung anhand physiologischer Kenngrößen beeinträchtigt.
Die Ausdauerfähigkeit lässt sich über die Bestimmung der anaeroben Schwelle besser darstellen. Diese definiert die höchstmögliche Belastungsintensität, bei der noch ein Gleichgewicht der Stoffwechselveränderungen (Laktat) unter Belastung durch den Organismus eingestellt werden kann. Oberhalb der anaeroben Schwelle wird die aerobe, oxidative durch die anaerobe Energiebereitstellung unter Laktatbildung unterstützt. Die anaerobe Schwelle kann durch Atemgasanalyse (ventilatorische Schwelle) oder die Laktatkinetik (Laktatschwelle) in einer leistungsdiagnostischen Untersuchung bestimmt werden. Der anaeroben Schwelle wird eine Leistung (Schwellenleistung) und Herzfrequenz (Schwellenherzfrequenz) zugeordnet. Die Schwellenherzfrequenz eignet sich im Training und Wettkampf zur Intensitätssteuerung. Es ist davon auszugehen, dass bei lang dauernden Belastungen die Herzfrequenzen überwiegend unterhalb der anaeroben Schwelle liegen.

Praxis

In einer eigenen Untersuchung mit männlichen, breitensportlich trainierten Absolventen des Vasalaufs aus dem Sauerland (n=10, Alter 41,5 ± 7 Jahre, BMI 25,1 ± 2,0 kg/m2) lag im vorangehenden Test die durchschnittliche VO2 max. in der Laufbandergometrie bei 57,2 ± 6 ml/kg/ min, die nach den Richtwerten der ACSM sowohl in der Altersdekade der 30- bis 39-Jährigen als auch in der der 40- bis 49-Jährigen als ausgezeichnet zu bewerten ist (> 90 Perzentile). Damit besteht bei entsprechender Trainingsvorbereitung und unauffälligem Gesundheitszustand kein Einwand gegen das sportliche Vorhaben. Die Schwellenherzfrequenz wurde mit durchschnittlich 164/min über die Laktatleistungskurve berechnet. Tatsächlich lagen, wie zu erwarten, während des Vasalaufs 87 % der gemessenen Herzfrequenzen (Polarsystem) im Bereich von 131–164/min, nur 7,1 % über der Schwellenherzfrequenz im kupierten Teil der Strecke und 5,9 % unter 131/min.
Im Verlauf der einzelnen Abschnitten der Strecke nimmt die Herzfrequenz ab, da nur auf der ersten Streckenhälfte Anstiege zu absolvieren sind und die zweite Hälfte ein konstant leichtes Gefälle aufweist. Die Sportler platzierten sich zwischen Rang 2000 und 2700, also deutlich in der vorderen Hälfte der Teilnehmer. Nach einer leistungsdiagnostischen Untersuchung kann aufgrund des Wissens über die physiologischen und metabolischen Veränderungen unter körperlicher Belastung zusammen mit einer gesundheitlichen Untersuchung und bekannter Trainingsanamnese gerade für Ausdauerdistanzen eine gute Vorhersage zu einem erfolgreichen Absolvieren der sportlichen Herausforderung gemacht werden. Ähnliche Übertragungen sind auch für die entsprechenden Lauf und Radwettbewerbe möglich.

ernst.jakob@hellersen.de

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Ernst Jakob:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/6553

Ausgabe MSN 1 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 1 / 2010.
Das komplette Heft zum kostenlosen Download finden Sie hier: zum Download

Der Autor:

Weitere Artikel online lesen