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Mobile Leistungsdiagnostik
Mobile Leistungsdiagnostik
Wichtiger Schritt auf dem Weg nach oben im Profi-Radsport
Bei einer Etappe der Tour de France als erster die Ziellinie überqueren, von zuoberst auf dem Podest in die jubelnde Menschenmenge winken und wissen: ich war heute der Beste, das ist der Traum von Andy Schleck, Fabian Cancellara und ihresgleichen.
Der Weg dorthin ist allerdings nicht nur auf den gefürchteten „pavés“ der Frühjahrsklassiker steinig und schwer. Er führt über tausende Kilometer von zielgerichtetem Training basierend auf einer systematischen Trainingsplanung, um am Tag X in Bestform zu sein. Elementarer Bestandteil dieses gezielten Formaufbaus sind regelmässige Trainingskontrollen. Die präzise Kenntnis der aktuellen Leistungsfähigkeit kann im Kampf um Sekunden schlussendlich den Unterschied ausmachen. In der Regel werden diese Überprüfungen anhand von wissenschaftlichen Leistungstests in dafür spezialisierten Labors vorgenommen.
Hindernisse bei der Planung von Leistungstests
Allerdings stoßen professionelle Radsportteams bei der Planung und Durchführung der Leistungsdiagnostik auf zahlreiche Schwierigkeiten. Anders als in den meisten Teamsportarten trainieren und bestreiten Radprofis ihre Wettkämpfe nicht als komplettes Team gemeinsam am selben Ort. Je nach persönlichem Rennkalender und je nach Wohnort halten sich die einzelnen Teammitglieder um den ganzen Globus verstreut auf. Und weil die Leistungsdiagnostik zurzeit ein rasant wachsendes Forschungsgebiet ist, fehlen internationale Standards, welche die gewonnenen Daten aus den Leistungstests weltweit vergleichbar machen. In den verschiedenen Labors werden unterschiedliche Ergometer als Messgeräte verwendet, es kommen verschiedene Testprotokolle zum Einsatz und die Tests werden von Untersuchern mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund durchgeführt und interpretiert. Wird ein Fahrer jedes Mal in einem anderen Labor getestet, erschwert dies eine präzise Dokumentation der Leistungsentwicklung und folglich die Ableitung von Konsequenzen für die künftige Trainingsplanung. Ebenso können zwei verschiedene Fahrer nicht untereinander verglichen werden, wenn die Tests nach ungleichen Standards verrichtet wurden. Da es aus logistischen und finanziellen Gründen nur wenig sinnvoll wäre, alle Fahrer zur gleichen Zeit in einem Labor testen zu lassen, bietet sich als Alternative eine mobile Leistungsdiagnostik an. Den idealen Zeitpunkt für mobile Leistungstests bieten die Trainingslager zur Saisonvorbereitung im Dezember und Januar, zu denen das komplette Team anreist. Aber auch in den während der Saison stattfindenden Trainingscamps können Teamchefs die Gelegenheit nutzen, eine komparable Formbestimmung ihrer Fahrer zu erhalten. Hierbei gilt es, im dichtgedrängten Programm eine möglichst zeitgünstige und dennoch qualitativ hochwertige Form der Testung zu definieren.
Höchste Qualitätsansprüche
Die größte Beliebtheit genießt der sogenannte Laktatstufentest. Ein solcher Test dauert inklusive Vor- und Nachbereitung etwa eine Stunde. Somit können, falls auf zwei Ergometern parallel gearbeitet wird, bis zu 20 Fahrer an einem Tag getestet und der Verlust wertvoller Trainingstage vermieden werden. Die Qualität der im Laktatstufentest gemessenen Daten hängt von optimalen, möglichst laborähnlichen Testbedingungen ab, nur so findet die Leistungskontrolle auch bei den Fahrern die notwendige Akzeptanz. Ein zuverlässiges Fahrrad-Ergometer mit einer ausreichenden Messgenauigkeit ist dafür die wichtigste Voraussetzung. Sinnvollerweise sollte das Ergometer die Möglichkeit bieten, den Leistungstest auf dem eigenen Fahrrad in einer gewohnten und komfortablen Sitzposition zu absolvieren. Das spart Zeit beim Auswechseln der Fahrräder zwischen zwei Tests und fördert die Motivation für eine maximale Ausbelastung bei den Fahrern. Für die Ermittlung der anaeroben Schwelle und die Festlegung der Trainingsbereiche müssen die zahlreichen Laktatproben (bis zu 15 pro Test) sehr schnell und kosteneffizient bestimmt werden können. Dies geschieht anhand eines enzymatischamperometrischen Messprinzips, das aus einer Blutprobe von nur 20 Mikrolitern innerhalb von 15 Sekunden einen präzisen Wert liefert. Weiterhin gehören zu den optimalen Testbedingungen eine möglichst geringe Vorbelastung in den 48 Stunden vor dem Test, eine standardisierte Ernährung, da diese die Laktatkurve erheblich beeinflussen kann, genügend Frischluftzufuhr und eine Raumtemperatur zwischen 18° und 27° Celsius. Die Luftfeuchtigkeit sollte wenn möglich zwischen 30 % und 60 % betragen.
Der Gewinn: Praxistransfer, Auswertungsgespräch, Testmotivation
Leistungsdaten, die während eines Trainingscamps im mobilen Labor erhoben werden, haben den großen Vorteil, dass sie zeitnahe Vergleiche zu Feldtests, die im Rahmen der folgenden Trainingstage durchgeführt werden, ermöglichen. Die Trainingscomputer der Radprofis, welche durch Dehnmessstreifen in den Kurbeln Wattzahlen direkt am Fahrrad ermitteln, stellen die wichtige Verbindung zwischen dem Labor und der Straße her. Die theoriebestimmten Laktatschwellen können so mit der direkt in der Praxis gemessenen sogenannten Critical Power jedes Fahrers verglichen werden. Eine solche Vorgehensweise präzisiert und verfeinert die Planung und Sicherstellung der individuellen Trainingsbelastung zusätzlich. Unsere Erfahrungen zeigen, dass die anschließende persönliche Testauswertung von den Fahrern sehr geschätzt wird. Überdies erleben im Setting eines Trainingslagers Team-Management, sportliche Leiter, Sportwissenschaftler, Ärzte und Fahrer einen der seltenen Momente innerhalb des Rennjahres, vereint an einen Tisch zu sitzen und die Saisonplanung zu beraten. Hier können die individuellen Saisonziele der Fahrer mit den im Profiradsport nicht immer deckungsgleichen Vorstellungen der Verantwortlichen als geschlossenes Team besprochen und abgeglichen werden. Ausserdem wirkt die Möglichkeit zum objektiven Leistungsvergleich innerhalb eines Trainingslagers motivierend für alle und hat das Potential den Teamgeist zu stärken.
Fazit
Insgesamt bedeutet die mobile Leistungsdiagnostik einen erheblichen Aufwand, bildet aber unter Einhaltung der notwendigen Qualitätskriterien einen wichtigen Schritt auf dem Weg zuoberst auf das Podest.
Foto: © Michael Müller
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