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Fuß- und Nagelpilz im Sport

Der Pilz läuft immer mit

Wer den lädierten Fuß von Michael Ballack in der Presse sah, wird vermutet haben, dass der „Capitano“ Nagelpilz hat. Die Blickdiagnose mag täuschen, nicht jedoch die Tatsache, dass Sportler und Nagelpilz ein Liebespaar sind. Das Laufen ist des Pilzes Lust, möchte man fast sagen, wenn man bedenkt, dass der Fußpilz bei Sportlern weit verbreitet ist. Etwa jeder dritte Aktive hat eine Pilzinfektion zwischen den Zehen, an den Fußsohlen sowie bis zu 17 % haben zusätzlich einen Nagelpilz (Onychomykose). Beide Erkrankungen gehören zusammen und sind ansteckend.

Nagelpilz entsteht meist aus einer nicht behandelten Fußinfektion. Ohne Therapie breitet sich die Erkrankung weiter aus. Von Mensch zu Mensch, vom Fuß zum Kopf. Am häufigsten vom Fuß zum Nagel. Marathon, Triathlon, Tanzen, Tennis oder Fußball bieten ideale Bedingungen für die Verbreitung der Erreger – überall dort, wo der Fuß „Sportgerät“ ist. Richtungswechsel, verschwitzte und enge Schuhe sowie gemeinsam benutzte Umkleiden, Duschen und Bäder sind ein perfekter Nährboden, obwohl Sportler ansonsten kerngesund sind. Es gibt jedoch auch gute Nachrichten. Denn jeder Nagelpilz kann geheilt werden, weil er eine konkrete Ursache hat: einen Erreger, der beseitigt werden kann und muss. Die meisten Betroffenen wissen, dass dies nicht immer einfach ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt oft erst im Zusammenspiel von äußeren und inneren Therapien.

Lokalbehandlung mit Fräsen und Harnstoff

Der erste und wichtigste Schritt der Nagelpilztherapie ist die Entfernung des infizierten Nagelanteils, da kein inneres Medikament es schafft, alle Pilzerreger in verdickten Nägeln von innen her zu erreichen. Hierzu gibt es mehrere Optionen. Am effektivsten sind das professionelle Fräsen des Nagels durch einen Podologen oder die Selbstbehandlungmit 40 %igem Harnstoff. Weitere Möglichkeiten sind die Nagelextraktion oder die Lasertherapie, die jedoch beide schmerzhaft sind und zu Komplikationen wie Entzündung, Wachstumsstörung oder Nagelbettverengung führen können. Eine probate Methode ist das Anfräsen des Nagels mit nachfolgender Harnstofftherapie.

Harnstoff

Die Harnstoffbehandlung der Nägel ist die effektivste Behandlungsweise der Selbstmedikation. Sie ist die einzige Methode, die in aller Gründlichkeit schmerzfrei und atraumatisch erfolgt. Das komplette Abfräsen des infizierten Nagels und die Lasertherapie sind dagegen an eine vorangehende Betäubung gebunden, wobei noch Tage danach Schmerzen auftreten können. Die Harnstoff-Konzentration sollte 40 % betragen, da dieser nur vom Erreger vorgeschädigtes Nagelmaterial ablösen kann. Nicht infizierte Nagelanteile werden dagegen geschont, bleiben erhalten, einer Bordsteinkante gleich. Mit der gleichen Intensität müsste gefräst werden, um zu einem ähnlichen Ergebnis zu gelangen, was in einem Schritt allerdings schmerzhaft ist. Die Harnstoff- Therapie erfolgt in der Regel kontinuierlich über 2 Wochen. Bei Bedarf kann sie verlängert und beliebig oft wiederholt werden – so lange, bis der kranke Nagel komplett abgetragen ist. Stark verdickte Nägel können vorher bis zu einem verträglichen Maß steril abgefräst werden. Die beiden gängigen Harnstoffpräparate enthalten entweder nur Harnstoff (Onyster®) oder den Zusatz von Bifonazol (Canesten® Extra Nagelset), ein breit wirksames Antipilzmittel, welches durch den Harnstoff zum Infektionsort gelangt und dafür sorgt, dass das abgelöste Nagelmaterial nicht mehr infektiös ist.

Lokale Antimykotika

Der abgetragene Nagel muss im nächsten Schritt intensiv antimykotisch behandelt werden. Effektiv ist die tägliche Behandlung der „Nagelwunde“ mit dem wasserlöslichen Ciclopoli- Nagellack. Dieser enthält das hochwirksame Antimykotikum Ciclopiroxolamin. Es ist eine Substanz, die neben einem breiten Wirkspektrum auch sporozid wirkt. Damit wird der gesund herauswachsende Nagel behandelt und vor einer Neuinfektion geschützt. Die Therapie der Onychomykose ist eine Langzeittherapie, die bis zu einem Jahr und länger dauern kann. Konventionelle Lacke oder Stifte, die auf die Nageloberfläche gepinselt werden, erfüllen ihren Zweck nicht, vor allem dann, wenn sie keinen Wirkstoff enthalten. Versprechen, wonach Substanzen von der lackierten Nageloberfläche ins Nagelbett gelangen, sind ebenfalls falsch. Dies geschieht nur dann, wenn der Nagel vorher gefräst wurde bzw. der Lack flüssig ist (Ciclopoli). Ein oberflächliches Feilen reicht hier nicht aus und ist zudem unhygienisch. Dieses Risiko entfällt bei der Anwendung des wasserlöslichen Lacks. Das betrifft auch das Entfernen von Lackresten, wodurch keine Gefahr für die Bildung von Nagelekzemen gegenüber giftigen Substanzen in Lackentfernen entsteht.

Systemische Therapie

Die innere Therapie sollte bei Sportlern so schonend wie möglich erfolgen, obwohl die Medikamente nicht auf der
Dopingliste stehen. Tabletten müssen eingenommen werden, wenn der Nagel über 50 % bzw. mehr als 3 Nägel gleichzeitig betroffen sind. Bei geringerem Befall reicht die zuvor geschilderte topische Therapie aus. Die Lokalbehandlung eines schwer beschädigten Nagels ist aber auch in diesen Stadien unverzichtbar, da die Heilungsraten der inneren Medikamente nur bei etwa 60 % liegen. Man muss den Erreger von zwei Seiten her behandeln, einer Zange gleich, von außen und innen. Geeignet sind Präparate mit guter Verträglichkeit, breitem Wirkspektrum, geringem Interaktionspotenzial und niedriger Wirkstoffmenge. Diesen Ansprüchen werden Fluconazol und Terbinafin gerecht. Fluconazol ist wegen der exzellenten Verträglichkeit bei Kindern und jungen Sportlern zu favorisieren, Terbinafin aufgrund weniger Interaktionen bei älteren Sportlern, die eventuell noch andere Medikamente brauchen. Nach einer kurzen täglichen Einnahme müssen die Pilz- Tabletten nur noch einmal pro Woche eingenommen werden, bis der gesamte Nagel gesund herausgewachsen ist. Diese minimale Dosierung genügt, vorausgesetzt, dass die Lokalbehandlung zu Beginn gründlich mit Harnstoff und in der Folgezeit mit wasserlöslichem Lack erfolgt. Insgesamt ist die Therapie so gut verträglich, dass auch ältere Patienten und Kinder behandelt werden können.

Fazit

Wird der Erreger von zwei Fronten angegriffen, kann jede Nagelmykose geheilt werden. Erst die Zugänglichkeit
der Antimykotika zu den Infektionsorten ermöglicht eine 100 %ige und rezidivfreie Heilung. Die Entfernung des infizierten Nagelmaterials hat somit entscheidenden Einfluss auf den Behandlungserfolg, ebenso die Wahl des topischen Antimykotikums. Je gründlicher lokal behandelt wird, desto schonender kann die innere Therapie erfolgen: mit einer Dosis pro Woche.

tietz@institut-fuer-pilzkrankheiten.de

Ausgabe MSN 3 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2010.
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