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Kreuzbandgenesung

Auch Kreuzbänder können heilen

Sven Felski, das Eishockeyurgestein der Berliner Eisbären, spielte zum Abschluss seiner Länderspielkarriere ein hervorragendes WM-Turnier. Mit Alexander Barta und Daniel Kreutzer bildete er die erfolgreichste Sturmreihe der deutschen Eishockeynationalmannschaft. Seine 159 Länderspiele, verteilt auf acht A-Welteisterschaften, zwei B-WM-Turniere und zwei Olympische Winterspiele, sind um so erstaunlicher, da er bereits bei der WM 2003 in Helsinki eine Ruptur des Vorderen Kreuzbandes erlitt.

Mittels individuellem und funktionsabhängigem Therapiekonzept konnte das Kreuzband innerhalb von sieben Monaten, auch kernspintomographisch nachweisbar zur Ausheilung gebracht werden. Der Riss des vorderen Kreuzbandes (VKB) ist eine der schwerwiegendsten Verletzungen im Sport, und seine komplexe Architektur macht die anatomische Rekonstruktion von vornherein unmöglich. Dies bedeutet beim Profisportler nicht selten das Karriereende. Das individuelle Anforderungsprofil, Begleitverletzungen und –umstände erfordern eine spezifische
Versorgung. Nicht jedes gerissene Kreuzband muss, sollte oder kann operativ versorgt werden. Früher wurde beispielsweise jeder Innenbandriss operiert, heute ist das in seltenen Konstellationen indiziert. Das lässt sich nicht analog auf Kreuzbandversorgungen übertragen, allerdings geht auch hier der Weg immer mehr zu konservativen Therapiekonzepten. Dies hat sich selbst im Spitzensport als erfolgreich erwiesen. Bei den olympischen Spielen in Turin (2006) gehörten beispielsweise vier unserer Athleten nach konservativ ausgeheiltem vorderen Kreuzbandriss zum Kader der Deutschen Eishockey Nationalmannschaft. Sie zeigten ein durchgängiges, signalarmes, homogenes vorderes Kreuzband im MRT bei negativem Pivot – Shift und Lachman Test sowie seitengleicher propriozeptiv –koordinativer Muskelfunktion.

Obwohl bei „geübten Händen“ eine sichere manuelle Diagnosestellung möglich ist, wird zur Erkennung von Begleitverletzungen und der genauen Lokalisation des Risses eine zusätzliche kernspintomographische Diagnostik durchgeführt. Dies ist prognostisch sehr wichtig, da günstigerweise die femurnahe intraligamentäre Rupturform die häufigste ist und wegen der von proximal eintretenden Blutzufuhr deutlich größere Heilungschancen aufweist. Optimal wäre zudem ein erhaltener Synovialschlauch, der zu einer geringeren biochemischen Schädigung des verletzten Bandes führt. Ergänzend werden Begleitverletzungen an Bändern, Menisken und am Knorpel analysiert.
Diese sorgfältige Analyse der verletzten Strukturen, unter Zuhilfenahme modernster bildgebender Techniken, ist die entscheidende Voraussetzung für den individualisierten Therapieaufbau.

Liegt die durchschnittliche Heildauer nach operativem Sehnentransplantat bei 9 bis 12 Monaten, so kann nach konservativer Therapie eine vollständige Ausheilung nach 7 Monaten erreicht werden. Die Zeitvorgaben entsprechen unseren jahrelangen Erfahrungen, in denen bisher kein Patient vor Ablauf dieser Zeit unsere Abschlusskriterien der Phase 4 vollenden konnte. Da in unserem Patientengut sensomotorische Funktionsverbesserungen frühestens nach 3 Monaten auftraten und das muskuläre Abstimmungsdefizit durchweg immer erst in Phase 4 behoben werden konnte, liegt hier ein Schlüssel zu kürzeren Gesamttherapiezeiten. Auch Spitzensportler aus verschiedensten Sportarten betonen, dass es 12–18 Monate dauern kann, um nach operativ versorgter VKB-Ruptur eine koordinativ anspruchsvolle Sportart, z.B. den dosierten Kanteneinsatz im alpinen Abfahrtslauf (für Siegerzeiten), wie vor der Verletzung durchzuführen.

Ausgabe MSN 3 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2010.
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