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MSN-4-2010
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Physiotherapie - Interview mit Klaus Eder
Physiotherapie - Interview mit Klaus EderStarkes TeamworkKlaus Eder ist seit 1988 Physiotherapeut der Deutschen Fußballnationalmannschaft. Zusätzlich betreut er das deutsche Tennis Daviscup Team und war bei mehreren Olympischen Spielen dabei. MedicalSportsNetwork sprach mit dem Reha-Fachmann, nachdem er direkt von der WM aus Südafrika zurückkehrte. Klaus Eder, uns ist aufgefallen, dass angeschlagene Spieler“ der DFB-Elf zu den wichtigen Spielen wieder topfit waren und ihre Leistung bringen konnten. Das war doch Schwerstarbeit für Sie, oder? Die Grundvoraussetzung ist ein funktionierendes interdisziplinären Behandlungsteam unter kompetenter medizinischer Federführung. Die Basis schnellstmöglicher Wiederherstellung nach Verletzungen ist dann eine exakte ärztliche Diagnose. Nur diese kann die Grundlage einer komplexen Therapiestrategie darstellen, die letztlich dem betroffenen Sportler in kürzest möglicher Zeit seine prätraumatische körperliche Leistungsfähigkeit ermöglicht. Aus physiotherapeutischer Sicht gilt es auf Basis der ärztlichen Diagnose und der damit zusammenhängenden Informationen im Rahmen der therapeutischen Befundaufnahme die Auswirkungen der Verletzung auf artholigamentäre, myofasciale und neuromeningiale Strukturen zu qualifizieren und einen entsprechenden Behandlungsplan zu entwickeln. Diese gilt es dann in einer „Rund-um-die-Uhr-Therapie“ unter Beachtung biologischer Gesetzmäßigkeiten der Wundheilung sofort zu realisieren. Nur ein sofortiger bzw. zeitnaher Behandlungsbeginn und eine Konsequente Umsetzung der Therapie (24 Std., z.B. nach Muskelverletzungen alle 2 Std. Erneuerung von Kühlungs- und Entlastungstapes) ermöglicht dann Therapieergebnisse, die dem Normalen Patienten als „Wunderheilung“ erscheinen, letztlich aber nur das Ergebnis einer optimalen Complience der betroffenen verletzten Sportler sowie aller Beteiligten der medizinischen Abteilung darstellen. Stichwort „Behandlung von Sehnen- und Muskelverletzungen durch den Physiotherapeuten“ - was können Sie uns darüber berichten? Das myofasciale System hat viele Möglichkeiten, auf Stress zu reagieren. Bei den vielen unterschiedlichen Facetten von Läsionen des myosfascialen Systems hat sich nach folgende Unterteilung bewährt: neben Verletzungen mit Einblutungen (wie z.B. Muskel-Faserriß und/oder Muskel-Bündelriß) unterscheidet man Verletzungen ohne Einblutung (wie z.B. Tenderpunkte, Triggerpunkte, Triggerpunkt-Hernien, Triggerbänder, Kontinuumstörungen und Zylinderdistorsionen). Alle diese unterschiedlichen Läsionstypen erfordern je nach Befund eine spezielle komplexe Behandlungsstrategie, um eine schnellstmögliche Wiederherstellung der Funktions- und Leistungsfähigkeit des Bewegungsapparates des verletzten Sportlers zu ermöglichen. Auch hier wird deutlich, dass die Kommunikation und die Kooperation aller beteiligten Mitglieder der medizinischen Abteilung sowie eine gleiche Terminologie der einzelnen betroffenen Ärzten und Therapeuten hier von Nöten ist, um bei sicherer Diagnose die adäquate Rehabilitation garantieren zu können. Welche Chancen und Möglichkeiten bietet die Physiotherapie ganz allgemein im Spitzensport? Ich verstehe Physiotherapie als konsequente Umsetzung angewandter Biomechanik. Dabei sollten Knochen und Gelenke in geometrisch korrekter Position die Funktionsfähigkeit des aktiven und passiven Bewegungsapparates ermöglichen. Geraten diese Strukturen jedoch nach körperlichen Belastungen und/oder Verletzungen „aus dem Lot“, hat dies massive Auswirkungen auf das arthroligamentäre System sowie auf die Balance des myofascialen Systems und vice versa. Zusätzlich können ebenso neuromengiale Veränderungen die Folge (oder Ursache) der Veränderungen darstellen und das jeweilige Beschwerdebild verursachen. Je nach Patiententypus und Disposition müssen vom erfahrenen Therapeuten auch schließlich somato-emotionale, psycho-somatische, energetische und viscerale Aspekte und Dimensionen in die Überlegungen des Therapeuten einfließen, um die adäquate komplexe Therapiestrategie für den einzelnen betroffenen Sportler mit seiner speziellen Verletzung zu entwickeln. Die Interdependenz der unterschiedlichen Systeme und deren Einflüsse auf die jeweiligen anderen Systeme machen es nicht immer leicht, Ursache und Wirkung exakt zu unterschieden und zu beurteilen, bilden aber andererseits die Basis einer Therapie, die nicht nur Symptome behandelt, sondern den Leistungssportler in die Lage versetzt, die Leistungsfähigkeit seines Organismus zur geforderten Zeit 100 %ig abzurufen. Vielen Dank für dieses Gespräch! Foto: „Physio“ Klaus Eder (links) und „Doc“ Müller-Wohlfahrt (rechts) kümmerten sich bei der WM 2010 optimal um die Gesundheit der deutschen Spieler. Ein Tor im Halbfinale gegen Spanien durften sie leider nicht schießen. |
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