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MSN-2-2011 > Verlaufsbeobachtung der „neuen“ Grippe (Influenza A-H1-N1v-2009)

Verlaufsbeobachtung der „neuen“ Grippe (Influenza A-H1-N1v-2009)

Schweinegrippe

In der Grippesaison 2009/2010 erfolgte eine umfangreiche mediale Kampagne” zum Thema „Schweinegrippe“, offiziell „neue Grippe“ genannt. Wissenschaftler empfahlen eine ausgedehnte Impfaktion, um die Bevölkerung vor einer Pandemie zu schützen. Die Impfbereitschaft war allerdings eher gering. Viele Ärzte äußerten doch ihre Skepsis bezüglich des von den Ländern zur Verfügung gestellten Impfstoffes.

Aufgrund einzelner Meldungen aus dem Sportbereich wurden Ligaspiele in verschiedenen Sportarten abgesagt. Auch an uns wurde die Frage der Impfung der kompletten Mannschaft der Iserlohn Roosters gestellt. Nach umfangreicher Aufklärung wurde es jedem Spieler überlassen, ob er sich impfen lassen wollte oder nicht. Interessanterweise ist es dieses Jahr vergleichsweise ruhig um die neue Grippe geworden, obwohl es Ende Januar/Anfang Februar zu einem deutlichen Anstieg der Grippefallzahlen kam. In der hiesigen Praxis wurden mehrere Patienten vorstellig, bei denen zum Teil der Nachweis von Influenza A(H1N1)v-2009-RNA mittels PCR erbracht wurde. Die Patienten schildern einen plötzlichen Beginn mit hohem Fieber sowie einen trockenen Reizhusten,der unproduktiv bleibe. Dazu gesellt sich ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit Cephalgien, Gliederschmerzen und gelegentlichen abdominellen Beschwerden sowie eine rhinitische Symptomatik. Das Fieber hält in der Regel 3-4 Tage an. In der klinischen Untersuchung finden sich freie Atemwege mit zum Teil verschärftem Atemgeräusch. Rasselgeräusche sind untypisch. Der Rachenring ist gerötet, die cervicalen Lymphknoten sind geschwollen. Der Abdomenbefund ist eher unauffällig. Stellt man Laboruntersuchungen an, so findet sich ein häufig deutlich erhöhtes CRP (hier bis 12-fach erhöht) ohne wesentliche Veränderungen im Blutbild. Der Krankheitsverlauf erstreckt sich in den meisten Fällen über ca. 14 Tage, wobei der Reizhusten lange das führende Symptom bleibt. Zur Abwendung eines kritischen Verlaufs sollte eine klinische Kontrolle bei persistierenden Beschwerden erfolgen. Besonders eindringlich schilderte mir ein Patient den plötzlichen Beginn. Er befand sich in einem sportlichen Wettkampf, als er sich schlagartig schlecht und kraftlos fühlte. Dies führte zum Wettkampfabbruch, wenig später war seine Temperatur auf 40 °Celsius erhöht. Die Therapie erfolgt zunächst symptomatisch, Virostatika sollten nur bei vorerkrankten Patienten eingesetzt werden, da auch eine Behandlung im Regelfall die Erkrankung um ca. 24-Stunden verkürzt. Eine körperliche Schonung ist dringend angeraten. Die Inkubationszeit beläuft sich auf 1-4 Tage, der Patient ist ca. bis ein Tag nach Abklingen des Fiebers infektiös, sodass danach keine weiteren Quarantänemaßnahmen nötig erscheinen. Eine Ansteckung erfolgt über Tröpfchen- und/oder Schmierinfektion. Wichtig erscheint im Umgang mit Sportlern, auf die körperliche Schonung gerade in der Sekretionsphase hinzuweisen, da häufig eine manifeste Influenzaerkrankung mit einer harmlosen Erkältung abgetan wird.

dr.veit@gmx.de

Ausgabe MSN 2 / 2011

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 2 / 2011.
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