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MSN-3-2011 > Neuromuskuläre Elektrostimulation

Neuromuskuläre Elektrostimulation

Die Rehabilitation nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes (VKB) ist ein wichtiger Faktor in der Rückkehr der Patienten zu Alltagsbelastungen und Sportaktivität. Die neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES) der Muskulatur kann einem Kraftverlust des Quadriceps entgegenwirken und somit die üblichen Therapiemethoden unterstützen.

Neue randomisierte und kontrollierte, einfach verblindete Studie

Eine aktuelle Studie unserer Arbeitsgruppe evaluierte die Effektivität eines herkömmlichen NMES-Gerätes im Vergleich mit einer neuartigen Form von Elektrostimulation („Multi-Path”) des Quadriceps in Ergänzung zu einem üblichen, standardisierten Rehabilitationsprogramm nach VKB-Rekonstruktion. In dieser Studie wurden 96 Patienten, die eine Rekonstruktion des VKB erhielten, randomisiert, drei Untersuchungsgruppen zugeteilt und absolvierten ein standardisiertes Rehabilitationsprogramm. Zusätzlich trainierte eine Gruppe mit einem herkömmlichen Gerät zur Elektrostimulation der Quadricepsmuskulatur „SP” („Single path” NMES; n=29), eine zweite Gruppe „MP“ (n=33) mit einer neuen Form der Elektrostimulation (Kneehab®, Biomedical Research, Ltd., neurotech®, Galway, Ireland) und eine dritte Gruppe diente als Kontrollgruppe, welche ohne zusätzliche Stimulation Muskelkontraktionen ausführen sollte; „KO“ (n=34). Während bei herkömmlicher Elektrotherapie die Impulse immer in der gleichen Richtung und immer in der gleichen Stärke und Dauer auf die Muskulatur wirken, stimuliert diese neue Form von NMES die Muskulatur über mehrere Wege (Abb.). Die Impulse sind unterschiedlich stark und von unterschiedlicher Dauer. Diese spezielle Form der Elektrotherapie heißt Multipath™. Der zusätzliche Übungsaufwand umfasste 20 Minuten Training: 3-mal täglich, 5-mal pro Woche und über einen Zeitraum von 12 Wochen. Vor der Operation als auch 6 Wochen, 12 Wochen und 6 Monate postoperativ wurden isokinetische Krafttests des Beines (bei 90°/sec. und 180°/sec.) und Sprung- und Lauftests durchgeführt sowie der Lysholm-Score, der Tegner- Score und der IKDC 2000 knee examination Score ermittelt. Diese Studie ergab, dass die Gruppe „MP” zu allen Zeitpunkten signifikant bessere Ergebnisse (p<0,001) als die Gruppen „SP” und „KO” bei der isokinetischen Messung der Quadricepsmuskulatur des verletzten Beines erreichte. Die Kraft der Extensoren steigerte sich bei „MP” um 30,2 % bei 90°/sec. und um 27,8 % bei 180°/sec. im Vergleich zur Voruntersuchung. Die Gruppe „SP” erreichte einen Kraftanstieg um 5,1 % und 5 % und die Gruppe „KO” um 6,6 % und 6,7 %. Die durchschnittliche Sprungweite beim „Single-Leg-Hop” verbesserte sich zwischen 6 Wochen und 6 Monaten postoperativ bei „MP” um 50 %, während der Anstieg der Sprungweite bei „SP” 26,3 % und bei „KO” 26,2 % betrug (p<0,001). Ähnliche Ergebnisse zeigten sich beim Lauftest „Shuttle Run“. Auch hier erreichte die Gruppe „MP“ signifikant bessere Werte (p<0,001) als die beiden anderen Untersuchungsgruppen. Die Auswertung der subjektiven Fragebogen ergab, dass beim Tegner-Score und IKDC 2000-Score kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen festgestellt werden konnte, während sich für „MP” ein signifikanter Unterschied in der durchschnittlichen Verbesserung beim „Baseline-korrigierten“ Lysholm-Score im Vergleich zu „SP” (p<0.001, 95 % KI [1,34; 9,09]) und „KO” (p=0.01, 95 % KI [1.12, 8.59]) zeigte. Die Auswertung von Patiententagebüchern ergab, dass die Dauer von der Operation bis zur Rückkehr in den Berufsalltag einen positiven Trend zu Gunsten der Gruppe „MP“ zeigt. Die Gruppe „CO“ kehrte nach 3.67 ± 1.56 Wochen (p=0.079 vs. „MP“), die Gruppe „PS“ nach 3.88 ± 1.28 Wochen (p=0.061 vs. „MP“) und die Gruppe „KH“ nach 2.7 ± 1.36 Wochen in den Berufsalltag zurück. Bei der Stimulation des Oberschenkels mit Kneehab XP™ sorgt das Multipath System dafür, dass sich die Muskulatur deutlich schneller regeneriert. Der Oberschenkel wird signifikant stärker stimuliert, als es herkömmliche Elektrostimulation vermag.

Fazit

Neuromuskuläre Elektrostimulation ist eine sinnvolle und effektive Ergänzung in der Rehabilitation nach vorderer Kreuzbandplastik. Wichtig ist jedoch, dass die Elektrotherapie immer von aktiven Muskelkontraktionen des Patienten begleitet wird, um eine optimale Muskelkontraktion und Muskelansteuerung zu erreichen. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass diese neuartige Form der neuromuskulären Elektrostimulation der Quadricepsmuskulatur als Ergänzung zu einem standardisierten Rehabilitationsprogramm nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbands effektiv ist und zu einer schnelleren Rückkehr in den Alltag und zur Sportaktivität führen kann. Diese neue Form von NMES mittels „multipath“ Stimulation führt zu noch besseren Ergebnissen als ein herkömmliches Gerät.

Literatur beim Autor

Ausgabe MSN 3 / 2011

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 3 / 2011.
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