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MSN-4-2011 > Überlastung

Überlastung

Schulterverletzungen im Kraftsport

Für den Kraftsportler hat das Schultergelenk eine zentrale Bedeutung, wie man bei der Schultermuskulatur der Deutschen Meisterin Nathalie Falk sehr gut sehen kann. Die Leistung wird durch die optimal, schmerzfrei und der Sportart angepasste Schulterfunktion gewährleistet. Schulterverletzungen führen jedoch immer wieder zu Trainingspausen und auch zum Ende der Karriere.

Epidemiologie

Die Überlastungsschäden sind deutlich häufiger als akute Verletzungen. Eigene Untersuchungen
von 600 Kraftsportverletzungen ergaben, dass die häufigste Diagnose die Rotatorenmanschettentendopathie ist (Ritsch 2005). Kraftsportspezifische Verletzungen und Überlastungsschäden sind die M.pectoralismajorRuptur und die Osteolyse der lateralen Klavikula.

Verletzungsmechanismus

Die verletzungsanfällige Phase ist die exzentrische Anspannung, z.B. das Absenken der
Hantelstange beim Bankdrücken oder beim Frontdrücken. Eine weitere kritische Situation ist die plötzliche Aufwärtsbewegung, bei der die Muskulatur maximal gedehnt ist und die größte Aktivität zeigt.

Akute Verletzungen

Die häufigste akute Muskelverletzung ist der Riss des M. pectoralis major. Die meisten Risse sind nicht komplett und betreffen eher den myotendinösen Übergang als die knöcherne Insertion. Die M.pectoralis majorRuptur im akuten Stadium sollte besonders beim Athleten immer operiert werden. Dies bedeutet neben dem kosmetischen Erfolg auch den Erhalt der Kraftleistungsfähigkeit (Abb. 2). Die konservative Therapie zeigt durchweg schlechte Ergebnisse (Abb. 3). Chronische Rupturen lassen sich durch eine operative Therapie verbessern, führen aber nicht immer zu einem guten Ergebnis (Ritsch 2010).

Überlastungsschäden

Die häufigste Diagnose ist die Rotatorenmanschettentendopathie bzw. das Impingementsyndrom. Hierbei kommt es belastungsbedingt zu Ansatzreizungen an der Rotatorenmanschette, die dann regelmäßig zu schmerzhaften Schleimbeutelentzündungen führen. Das Schultereckgelenk ist ein weiterer typischer Schmerzfaktor im Kraftsport. Hier kann es zu Überlastungen mit Reizzuständen kommen (Abb. 4). Später dann können diese Reizzustände chronisch werden und zur Arthrose oder auch zur Osteolyse der lateralen Klavikula führen, was eine typische Kraftsportverletzung darstellt. Eine Schmerzquelle kann auch die lange Bizepssehne sein (Abb. 5). Immer wieder zeigen sich ebenso Knorpelschäden als Schmerzursache (Abb. 6), ältere Athleten leiden unter fortgeschrittenen Omarthrosen (Abb. 7). Die Überlastungssyndrome lassen sich durch lokale Infiltrationen mit Cortisonzusatz sehr gut therapieren. Viele dieser Beschwerden hängen mit falschem Krafttraining zusammen oder werden zumindest dadurch begünstigt. So werden bei Problemen an der Schulter immer wieder bestimmte Übungen wie z.B. Nackendrücken hinter dem Kopf oder auch Bankdrücken als schmerzhaft und auslösende Ursache von den Sportlern selbst angegeben. Die wichtigste Therapie stellt daher eine gezielte Trainingsumstellung dar. Hierzu sind nicht nur rehabilitative Maßnahmen erforderlich. Generell sollten alle Übungen in weiter Außenrotation und mit erhobenem Arm nicht durchgeführt werden. Eine große Schwachstelle bilden die Außenrotatoren an der Schulter, die entsprechend trainiert werden müssen. Beim Versagen der konservativen Maßnahmen sind operative Therapien wie die subacromiale Dekompression, die laterale Klavikularesektion und Versorgung der Bizepssehne angezeigt. Die Knorpelschäden können nur mit endoprothischem Ersatz behandelt werden (Abb. 8) und führen zum Ende der Kraftsportkarriere.

Fazit

Akute Verletzungen und Überlastungsschäden sind im Kraftsport selten. Die akuten Verletzungen wie die Ruptur des M. pectoralis major sollten operativ behandelt werden. Überlastungsschäden bedürfen einer Überprüfung und Anpassung der Trainingsintensität und der Technik. Chronische Erkrankungen können mit Injektionen und einem angepassten Trainingsplan gut therapiert werden.

Ausgabe MSN 4 / 2011

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 4 / 2011.
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