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Fußball - Interview mit Jan Rosenthal und Dedé
Fußball - Interview mit Jan Rosenthal und Dedé
Am 11. Juni werden Gastgeber Südafrika und Mexiko die 19. Fußballweltmeisterschaft, die erstmals auf afrikanischem Boden ausgetragen wird, mit dem Eröffnungsspiel in Johannesburg eröffnen. Für vier Wochen wird halb Deutschland zu Hobby-Nationaltrainern, die es natürlich immer ein wenig besser als Löw & Co. machen würden. Zu den Zuschauern werden aber auch Profifußballer gehören, die nicht in den nationalen Auswahlkadern sind. MedicalSportsNetwork sprach exklusiv mit den Spielern Dedé (Borussia Dortmund) und Jan Rosenthal (JR) (Hannover 96), die beide schon internationale Luft geschnuppert haben, jedoch durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen wurden.
Langsam aber sicher bereitet sich die Welt auf die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika vor. Blickt man als Profifußballer mit einem lachenden und einem weinenden Auge darauf, weil man selbst nicht aktiv dabei ist oder kann man dieses Ereignis absolut genießen?
Jan Rosenthal: So kann man es beschreiben. Vor zwei, drei Jahren hatte ich schon ein wenig mit dem Gedanken
gespielt, den Sprung in die Nationalmannschaft bis nach Südafrika zu schaffen. Aber das war schnell abgehakt und
jetzt freut man sich auf die WM, besonders nach den Erfahrungen mit der letzten WM hier in Deutschland.
Dedé: Ich bin überhaupt nicht traurig. In der Selecao (brasilianische Nationalmannschaft) spielen so viele gute Spieler, da macht es einfach richtig Spaß zuzuschauen. Das Herz schlägt natürlich für Brasilien.
Jan Rosenthal, Sie haben mehrere Jugendauswahlteams durchlaufen, hatten 17 Einsätze bei der U21 und eigentlich dachten viele, dass Sie den Sprung in die A-Nationalmannschaft locker schaffen würden. Wo sehen Sie die Gründe, dass es bisher noch nicht geklappt hat? Stehen Sie in Kontakt mit Joachim Löw?
JR: Ich stehe nicht in Kontakt mit Joachim Löw. Die Gründe dafür, dass es bisher noch nicht geklappt hat, sind relativ einfach: Um den Sprung zu schaffen, muss man über einen langen Zeitraum Spiele in der Bundesliga, wenn möglich sogar international, auf kontinuierlich hohem Niveau abliefern. Ich habe verletzungsbedingt in den letzten drei Jahren zu wenige Spiele absolviert und wenn, dann waren die Leistungen zu schwankend.
Sie beide spielen seit langer Zeit bei einem Verein. Dedé seit 1998 bei Borussia Dortmund, Jan Rosenthal seit 2000 bei Hannover 96. Das ist heutzutage durchaus ungewöhnlich. Woher kommt die Treue zu ihren Vereinen und wie hat sich der Profisport ihrer Meinung nach in den letzten Jahren entwickelt, Stichwort Söldnertum?
Dedé: Als ich 1998 nach Deutschland kam, wollte ich eigentlich nur meinen Drei-Jahres-Vertrag erfüllen und dann wieder nach Brasilien zurückkehren. Am Anfang war es sehr schwer, aber mit dem Erlernen der Sprache wurde es besser. Wenn man das volle Stadion in Dortmund betritt und diese tolle Atmosphäre erlebt, ist es ein ganz besonderes, unbeschreibliches Gefühl. Nun bin ich schon 12 Jahre beim BVB, habe Angebote anderer Vereine, auch finanziell lukrativere, z.B. vom AS Rom, abgelehnt und auch die Zeiten in Dortmund erlebt, als der Verein kein Geld mehr hatte. Ich bin trotzdem geblieben und ich bin sehr froh zu sehen, dass alles so gut gelaufen ist. Hier bin ich zufrieden, ich liebe diesen Verein! Aber die Wahrheit ist auch, dass die finanzielle Absicherung wichtig ist. Spieler können bis 33, 34, 35 Fußball spielen, danach haben sie oft keine Arbeit und finden nur sehr schwer einen anderen Job. Fußball ist eine ganz besondere Arbeit.
JR: Nun, die Hälfte der Jahre absolvierte ich in der Jugend, da ich in der Nähe beheimatet bin. Nach meiner ersten Profisaison gab man mir einen langfristigen Vertrag, um mich zu entwickeln. Der Kader ändert sich jedes Jahr, mal mehr, mal weniger, so stellt man sich immer neuen Herausforderungen. Wenn es zwischen Verein und Spieler nicht passt, geht man heutzutage schnell andere Wege. Die Frage ist doch, wer von beiden in der Lage ist, sich anzupassen, Dinge zu hinterfragen, um sich durchzusetzen und nicht zu flüchten. Das mit dem Söldnertum sehe ich nicht so drastisch, obwohl auch klar sein muss, dass man nicht ewig Fußball spielen kann und sich somit so schnell wie möglich, auch für die Zeit danach, finanziell absichern muss. Jeder spielt gerne Fußball, auch wenn es natürlich immer mal schwarze Schafe gibt, die sich auf ihren Verträgen ausruhen.
Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass Sie beide in dieser Saison vom Verletzungspech verfolgt werden. Dedé, Sie hat es ganz besonders böse erwischt. Beim Ligaspiel gegen Werder Bremen erlitten Sie einen Innenmeniskus- und Innenbandriss. Wie geht es Ihnen heute?
Dedé: Gott sei Dank habe ich diese Verletzung gut überstanden. Ursprünglich dachten wir, dass es 8–9 Wochen dauern würde, aber nach 5 Wochen konnte ich schon wieder am Mannschaftstraining teilnehmen und wurde im Spiel gegen Freiburg eingewechselt. Die letzten zwei Jahre hatte ich großes Verletzungspech, die Jahre davor hatte ich fast gar nichts. Das waren keine schönen Sachen und es hat mich zurückgeworfen, aber zum Glück ist die Verletzung am Knie von der absolut professionellen medizinischen Abteilung des BVB perfekt behandelt worden. Für mich und meine Karriere ist es natürlich schwierig, ich sitze momentan auf der Bank und bin mit der jetzigen Situation nicht zufrieden. Als Fußballer kann man aber auch nicht immer zufrieden sein, es läuft nun mal nicht immer alles perfekt. Man hat zwei Möglichkeiten, entweder trainiert man immer weiter und kämpft sich wieder ran oder man macht Probleme und Theater. Ich bin raus, weil ich verletzt war, nicht, weil ich schlecht gespielt habe. Ich respektiere die Meinung des Trainers, werde weiter hart trainieren und auf meine Chance warten.
Auch Sie hatten trotz ihrer noch jungen Jahre schon mit schweren Verletzungen zu kämpfen. 2005 erlitten Sie einen Kreuzbandriss, in dieser Saison mussten Sie wegen einer Verletzung an der Hüfte pausieren und hatten mehrere Muskelfaserrisse. Können Sie uns darüber etwas berichten?
JR: Zu der Verletzung an der Hüfte kann ich momentane keine genaue Prognose abgeben und das mit den Faserrissen ist auch nicht so häufig passiert, wie es die Presse einem weismachen will. Denn die Hälfte der Faserrisse bestand nicht aus neuen Verletzungen, sondern es waren einfach Risse der Vernarbung der alten Verletzung, im Laufe der Reha jeweils 2–3 Wochen nach Auftritt der Verletzung.
Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach Krafttraining im Profi-Fußball? Notwendig, sinnvoll oder überflüssig?
JR: Unbedingt notwendig und sinnvoll. Ich habe sehr gute Erfahrungen damit im Reha-Bereich gemacht, aber auch bei den gesunden Spielern wird immer mehr in diesem Bereich gearbeitet.
Dedé: In der Bundesliga, aber auch in Brasilien ist das Krafttraining fester Bestandteil in den Teams. Für mich war von Anfang an diese Art des Trainings sehr wichtig. Ich glaube, dass ich auch deswegen 10 Jahre gar nicht verletzt war. Ich gehe 3- bis 4-mal in der Woche in den Kraftraum und absolviere meine Übungen, das hilft mir sehr.
Hat eigentlich die Veränderung des Equipments (Schuhe, Bälle) dazu beigetragen, dass sich der Bundesliga-Fußball verändert hat? Merkt man als Profi Veränderungen?
Dedé: Auf jeden Fall, da hat sich einiges getan in den letzten Jahren. Gerade in der Schuh- und Ballentwicklung gab und gibt es immer wieder Veränderungen, was auch wichtig für unseren Sport ist. In einem Spiel kann das Equipment schon 15–20 % Unterschied ausmachen.
JR: Im Schuh-Bereich denke ich nicht, dass sich dadurch das Spiel verändert, früher habe ich copa mundial getragen, jetzt trage ich Mizuno. Ich mag leichte, weiche Schuhe. Bei den Bällen sieht das schon anders aus. Es wurde Zeit, dass ein Einheitsball kommt. Weil es enorme Unterschiede im Flugverhalten gibt. Die neuen Bälle werden durch weniger Nähte und anderes Material immer schneller und machen es durch das Flattern für die Torhüter immer schwierigerer.
Wer wird Weltmeister 2010 und wie weit kommen Brasilien und Deutschland?
JR: Für Brasilien wird das Viertelfinale Endstation sein, Deutschland schafft mindestens das Halbfinale und Spanien wird nach dem EM-Titel auch Weltmeister werden.
Dedé: Brasilien und Deutschland befinden sich auf etwa gleichem Niveau. Aber Favorit ist für mich auch Spanien, die spielen momentan einfach den besten Fußball.
Letzte Frage, die man einem Dortmunder stellen muss: Was wäre für Sie schlimmer? Dass Sie mit Dortmund in dieser Saison die Champions-League- Qualifikation verpassen oder dass Schalke Meister wird?
Dedé: Es wäre definitiv schlimmer, wenn Schalke Meister würde.
Wir bedanke uns für das Gespräch und wünschen Ihnen beiden viel Erfolg für die Zukunft!
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