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Knieversorgungen/Knieprobleme bei Kindern

Knieversorgungen/Knieprobleme bei Kindern

Knieverletzungen

Kreuzbandverletzungen treten auch bei Kindern und Jugendlichen auf. Diese werden postoperativ und konservativ mit Knieorthesen versorgt. Die Anzahl der Kreuzbandrupturen scheint in den letzten Jahren anzusteigen. Die Verletzungen ereignen sich überwiegend bei der körperlichen Aktivität und bei Verkehrsunfällen. Insgesamt treten jedoch ca. 80?% beim Sport auf.

Die lange Zeit bestehende Meinung, dass die interligamentäre Ruptur des vorderen Kreuzbandes bei Kindern und Jugendlichen eine Rarität darstellt, und wenn es überhaupt zur Kreuzbandverletzung kommt, es sich primär um einen knöchernen Ausriss handelt, kann so nicht mehr bestätigt werden. Wird primär keine operative Therapie eingeleitet, sollte zumindest die temporäre Stabilisierung mit einer gut sitzenden, funktio­nellen Kniegelenksorthese und eine Sportpause zum Schutz vor weiteren Verletzungen erfolgen. Studien ergaben jedoch, dass das fehlende vordere Kreuzband auch bei Kindern und Jugendlichen ersetzt werden muss, um frühzeitig eintretende Verschleißerscheinungen im Sinne einer arthrotischen Veränderung des Kniegelenks zu verhindern. ­Jedoch wird bei der Orthesenversorgung ein hoher Anspruch an die Orthopädie-Technik gestellt. Aufgrund der geringen Dimensionen der Patientenbeine gibt es nur geringe Möglichkeiten auf vorkonfektionierte Systeme zurückzugreifen.

Die zwar relativ seltene Versorgung von Kindern in der Altersgruppe zwischen 5 und 8 Jahren ist dabei besonders schwierig. In diesen Fällen sollten die zum Einsatz kommenden Orthesen­gelenkschienen kleinere Dimensionen als bei Erwachsenen aufweisen, um der kindlichen Biomechanik des Gelenkes Rechnung zu tragen. Hier gilt das Prinzip, dass eine Konstruktion funktionell gestaltet sein muss, da sonst die Orthesen von den jungen Patienten nicht akzeptiert werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei einfaches Handling, rutschfreier Sitz und guter Tragekomfort bei geringem Gewicht.
Hier besteht oftmals nur die Möglichkeit einer Individualversorgung nach Gipsabdruck, wobei die biomechanische Wirkweise im Vorfeld mit dem Operateur abzusprechen ist. Eine exakte Einweisung der Kids und deren Eltern in die genaue Handhabung der Orthese muss unbedingt erfolgen, sodass ein fehlerfreies Anlegen gewährleistet ist. Durch die in der Regel erst schwach ausgeprägte Wadenmuskulatur ist vor allem die rutschfreie Anlage der Orthese wichtig. Hier muss die Konstruktion sehr gut am Bein sitzen und großflächig anliegen. Durch ein Verrutschen der Orthese kann es sonst durch die Gelenkdrehpunktverschiebung zu einem Schermoment auf die frisch rekonstruierte Bandstruktur kommen. Es empfiehlt sich die Verwendung eines etwas stärkeren Inliner-Materials, da aufgrund des zu erwartenden Muskelaufbaus und Wachstums ein Nachpassen der Orthese gegeben sein sollte. Dies kann bei der K-COM Knieorthese durch Reduktion der Inlinermaterialstärke erzielt werden und ist bei längerer vorgegebener Tragedauer sinnvoll.

Die Ursache für die steigende Anzahl von Knieverletzungen im Sport scheint unter anderem auch an der hohen Intensität bei der Ausübung von Risikosportarten wie alpiner Skilauf, Eishockey oder Mountainbike zu liegen. Aber auch der deutlich gestiegene Leistungsanspruch, der heute im Sport bereits an junge Athleten gestellt wird, spielt eine Rolle. In diesen Fällen werden die Knieorthesen postoperativ häufig zur Sicherung des guten OP-Ergebnisses getragen. Bei längerfristigem Einsatz werden dadurch weitere Distorsionen vermieden, welche sonst zu Sekundärschäden führen können.
Bei dauerhaftem Einsatz in Training und Wettkampf sollte man die Material­belastung der Knieorthesen keinesfalls unterschätzen. Vor allem im Zweiradsport kann es zu sehr langen Tragezeiten kommen. Hier ist vor allem die mittlerweile wettkampftaugliche Technik der Sportgeräte dafür verantwortlich, dass bei schnellen Kurvenfahrten und Sprüngen hohe mechanische Beanspruchungen an die Orthesenkonstruktion gestellt werden.

So lässt sich feststellen, dass die Knieorthesenversorgung bei Kindern und Jugendlichen einen durchaus ­hohen Anspruch an die Orthopädie-Technik stellt. Dazu müssen die Konstruktionen sehr benutzerfreundlich und funktionell ausgearbeitet sein und den sportartspezifischen Anforderungen entsprechen. Nur wenn einfaches Handling, rutschfreier Sitz und gute Stabilisierung, im Sinne der postoperativen oder konservativen Ver­sorgung gewährleistet sind, werden
die Orthesen von den behandelnden Ärzten und jungen Sportlern akzeptiert. So beugt die Orthese Sekundär­verletzungen vor und es können die wichtigen Strukturen des Kniegelenks, wie Meniskus und Knorpel effektiv geschützt werden. Mittlerweile werden in High-Risk Sportarten ­Knieorthesen auch von Jugendlichen zunehmend präventiv zur Verletzungsprophylaxe eingesetzt.

Hartmut Semsch ,
Orthopädie- Techniker Meister, Geschäftsführer der Ortema GmbH

Stichwörter:
Knieprobleme Knieverletzungen Sportmedizin

Ausgabe MSN 4 / 2009

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 4 / 2009.
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