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Leistungsdiagnostik : Spiroergometrie im Leistungssport

Leistungsdiagnostik : Spiroergometrie im Leistungssport

Skibergsteigen stellt eigentlich die Urform des Skifahrens dar. Noch lange bevor Skilifte und Gondeln den Alpenraum übersäten, waren Skifahrer mit Fellen zum Aufsteigen unterwegs, um dann ihre Abfahrt zu genießen. Nach Schätzungen des Deutschen Alpenvereins gibt es mittlerweile in Europa weit über 2 Mio. regelmäßige Skitourengeher, von der Hohen Tatra bis zu den Pyrenäen, die Tendenz ist steigend.

Zusätzlich entwickelte sich allerdings in den letzten Jahren auch mit großer Medienpräsenz Skibergsteigen als Wettkampfsport. Hierbei verbindet der Wettkampfsport eine hohe Ausdauerleistung mit vielen technischen Fertigkeiten im Aufstieg und in der Abfahrt vor der Kulisse einer winterlichen Bergwelt. Bei den Wettkämpfen, die als Massenstart beginnen, besteht der sportliche Wettstreit darin, als Erster im Ziel zu sein und die Strecke am Berg zu meistern. Dies beinhaltet Aufstieg und Abstieg gegen die Uhr. Faszinierend sind der Kampf gegen die Uhr, die
Beherrschung der Wechseltechniken vom Auf- zum Abstieg und die waghalsigen Abfahrtsmanöver der Athleten, um möglichst schnell im Ziel zu sein.
Zusätzlich müssen bei einigen Rennen zudem Passagen mit Seilsicherung überwunden werden, zum Teil muss in einer Seilschaft abgesichert werden. Skibergsteigen stellt eine gewachsene Sportart mit über einem halben Jahrhundert Tradition dar.
Seit 1992 gibt es internationale Wettkämpfe im Skibergsteigen und seit 2002 offizielle Welt- und Europameisterschaften. Der Weltcup existiert seit 2004, das weltgrößte und bedeutendste Rennen ist die Patrouilles des Glaciers (CH), welches auch bereits in den Jahren 1924–1948 Bestandteil des olympischen Programms war. Skibergsteigen auf höchstem Niveau erfordert ein umfangreiches Training über das ganze Jahr verteilt. Auch wenn die Wettkampfsaison mit vier Monaten relativ kurz ist, müssen die Athleten bereits über den Sommer mit umfangreichen Einheiten Skiroller, Biken, Bergläufen und Krafttraining ihre Form aufbauen. Wie in anderen Sportarten fehlte eine spezifische Leistungsdiagnostik, wie z. B. die Fahrradergometrie für die Radler sowie die Ruderergometrie für die Ruderer, auch bisher im Skibergsteigen.
Im Rahmen der Kaderbetreuung durch den Sportmedizinischen Stützpunkt des Deutschen Alpenvereins in Bamberg wurde weltweit erstmals eine sportartspezifische Ergometrie für das Team entwickelt und etabliert. Zunächst wurden Preteste zur praktischen Umsetzung des Skigehens auf dem leistungsadaptierten Laufband durchgeführt, im zweiten Schritt wurden dann verschiedene Testprotokolle anhand von leistungsorientierenden Freizeitsportlern erarbeitet. Im Weiteren erfolgte dann vor allen Dingen ein Schwellenvergleich zu Fahrrad- und Laufbandtesten, um die Ergebnisse einordnen zu können. Abschließend konnte dann das Belastungsprotokoll erstmals sportartspezifisch über die Nationalmannschaft evaluiert und in die Kaderbetreuung und Trainingssteuerung eingebracht werden. So stellen wir die Skibergsteiger mit ihrem Wettkampfgerät, d.h. mit Skifellen und -stecken auf das 20° geneigte Laufband und belasten sie hier schrittweise unter Messung der Atemgasparameter sowie das Laktat und der Herzfrequenzparameter auf. Dieser neu entwickelte Stufentest wird bis zur Ausbelastung durchgeführt. Somit kann dann hier nun eine direkte spezifische Trainingsbetreuung stattfinden. Zusätzlich wird beim Test eine videooptische Gehtechnikanalyse impliziert, so können technische Bewegungsfehler frühzeitig erkannt und ein entsprechendes prophylaktisches Ausgleichstraining eingeleitet werden.
Der Vorteil der erstmals fachspezifisch durchgeführten Spiroergometrie liegt vor allen Dingen in der idealen Trainingssteuerung der Sportler. So können Lauf- und Radschwellen nur bedingt auf das Skibergsteigen umgewandelt werden, eine sporartspezifische Belastung muss immer so nahe an der wirklichen Belastung sein als möglich und dies konnte mit dem neuen Testprotokoll realisiert werden.

Volker.Schoeffl@sozialstiftung-bamberg.de

Lesen Sie hier noch mehr Fachbeiträge von Dr. Volker Schöffl:

http://www.medicalsportsnetwork.de/medical/5983

Ausgabe MSN 2 / 2010

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in der Ausgabe MSN 2 / 2010.
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