MSN-3-2009
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Schwimmen - Interview mit Franziska van Almsick
Schwimmen - Interview mit Franziska van Almsick
Franziska van Almsick hat den deutschen Schwimmsport nach der Wiedervereinigung geprägt. In den 90er-Jahren feierte sie als „gesamtdeutsche“ Schwimmerin
Erfolge bei Welt- und Europameisterschaften und auch mehrfach bei den Olympischen Spielen, auch wenn sie nie Olympia-Gold erreichte. 2002 gewann Franzi noch mal fünf Goldmedaillen bei der EM in Berlin, wobei sie den eigenen Weltrekord über 200 m Freistil verbesserte. Nach den Olympischen Spielen 2004 in Athen beendete sie ihre aktive Karriere und arbeitete für die ARD als Co-Kommentatorin bei mehreren Schwimmveranstaltungen. Dazu zeichnet sich Franziska van Almsick durch ihr gesellschaftliches Engagement aus. MedicalSportsNetwork sprach mit ihr über Vergangenes und Zukünftiges.
Franziska van Almsick, nach den Olympischen Spielen in Athen 2004 haben Sie Ihre Schwimmkarriere beendet. Fehlt Ihnen der Sport nach fünf Jahren noch?
Nicht wirklich. Das Gute ist ja, dass ich durch meinen Job als TV-Expertin immer noch am Beckenrand stehen darf, ohne dass der ganze Druck auf mir lastet. Anderen Sport treibe ich natürlich immer noch.
Wenn man sein ganzes Leben lang Sport gemacht hat, kann man ja nicht von heute auf morgen damit aufhören. Allerdings gehe ich lieber Laufen, mache Pilates oder fahre Fahrrad – mit dem Schwimmen lasse ich mir noch ein bisschen Zeit.
Was waren für Sie die schönsten Momente und hat wie hat sich Ihr Leben durch das Schwimmen verändert?
Einer der schönsten Momente war sicherlich die EM in Berlin. Ich hatte schon viele Höhen und Tiefen hinter mir und dann schwimme ich zu Hause noch mal Weltrekord und die ganze Halle bebt – das war schon ein Hammer!
Das Schwimmen hat mich natürlich geformt – verändert kann ich nicht sagen, denn ich habe ja keinen Vergleich. Aber als Leistungssportler muss man schon eine große Portion Disziplin und Selbstbewusstsein entwickeln, um zu bestehen. Ich denke aber, dass ich mir in all den Jahren immer treu geblieben bin und das zahlt sich heute aus.
Was können Sie jungen Schwimmtalenten heute auf den Weg mitgeben? Welche Tipps und Ratschläge haben Sie, damit sie eines Tages so erfolgreich werden wie Sie?
Man muss sich ständig hinterfragen. Nicht nur auf die Leute im Kollegen- und Bekanntenkreis hören, sondern hauptsächlich auf sich selbst. Wie sehr will ich das? Was bin ich bereit dafür zu opfern? Klar, dass ein gewisses Talent da sein muss, das sollte man auch von Außenstehenden beurteilen lassen, aber die Entscheidung, ob Leistungssport oder nicht, die muss man sich selbst bewusst machen und mit voller Überzeugung treffen.
Hat sich der Schwimmsport in den letzten Jahren verändert? Wohin wird er sich Ihrer Meinung nach entwickeln?
Aber hallo! Man muss ja nur mal einen Schwimmer von heute mit einem aus meiner Anfangszeit nebeneinander stellen. Da sieht der heutige Schwimmer ja aus wie aus einem Science-Fiction-Film. Nein aber ganz im Ernst – das ist der Lauf der Dinge und ich freue mich, dass ich noch so nah dran bin und das alles mitverfolgen kann. Für Prognosen ist es allerdings zu früh – ich schaue mir das alles jetzt mit viel Spannung und Interesse an, analysiert wird später.
Nach dem Ende Ihrer aktiven Karriere, engagieren Sie sich intensiv für gesellschaftliche Projekte. Dazu sind Sie seit 1. Dezember 2008 stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutschen Sporthilfe? Wieso tun Sie das alles?
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe ist letztes Jahr auf mich zugekommen, was für mich eine riesige Ehre war. Ich werde versuchen, dort als Mittler zwischen Sportlern und Funktionären zu fungieren und das Image der Sporthilfe etwas aufzupolieren. Gemeinsam mit Werner Klatten, der ja aus der Wirtschaft kommt, bilden wir, glaube ich, ein gutes Team, das ehrgeizig ist und seine Ziele verwirklichen wird. Die Deutsche Sporthilfe ist essentiell für den Leistungssport und da ist es mir natürlich ein großes Anliegen dort mitzuwirken.
Außerdem haben Sie Ihr erstes Kinderbuch „Paul Plantschnase am Meer“ veröffentlicht. Welche Idee steckt dahinter und wie war es für Sie, ein Kinderbuch zu schreiben?
Die Idee, ein Kinderbuch zu schreiben, trage ich schon seit mehr als fünf Jahren mit mir herum. Ich habe einfach jemanden gebraucht, der mich ein bisschen in den Hintern tritt und sagt – jetzt schreib das doch mal auf. Das war letztes Jahr, da war ich schon ganz stolz, dass ich meine kleine Geschichte zu Papier gebracht habe – wenn ich nun in meinen Lieblingskinderbuchladen um die Ecke gehe und da steht mein Buch, dann ist schon ein wahr gewordener Traum.
Zusätzlich zum Kinderbuch, in dem ja die erste Gewöhnung ans Wasser im Vordergrund steht, engagiere ich mich dafür, dass Schulschwimmen wieder ernster genommen wird. Als ich erfahren habe, dass 34 % der Grundschulabgänger nicht schwimmen können, habe ich eine gewisse Verantwortung verspürt, die ich nun auch übernehmen möchte. Daher habe ich in meinem Wohnort die „Heidelberger Kids auf Schwimmkurs“ gegründet, die sich dafür einsetzen, dass jedes Kind, welches die Grundschule verlässt, schwimmen kann. Gemeinsam mit C&A und der Stiftung Deutsche Sporthilfe haben wir zudem 1.000 Schwimmkurse spendiert, die jetzt in fünf großen deutschen Städten an Eltern, die sich einen Kurs nicht leisten können, verschenkt werden.
Mein Traum wäre es, in diesem Zusammenhang das Heidelberger Projekt auf ganz Deutschland auszuweiten und dafür zu sorgen, dass viel mehr Kids schon früh schwimmen lernen. So würden wir nicht nur dieser beängstigenden Zahl von einem Drittel Nichtschwimmer entgegenwirken, sondern auch dafür sorgen, dass es zu weniger Schwimmunfällen kommt, die bei Kindern leider meist tödlich enden. Es gibt also viel zu tun – ich hoffe, dass „Paul Plantschnase“ die Eltern motiviert, ihre Kinder in Schwimmkurse zu schicken und freue mich jetzt schon riesig auf das erste Feedback!
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin alles Gute für die Zukunft!
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